ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2008Traumatisierte Folteropfer: Systematische Identifizierung nötig

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Traumatisierte Folteropfer: Systematische Identifizierung nötig

PP 7, Ausgabe Juli 2008, Seite 294

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LNSLNS Rund 70 000 Flüchtlinge ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung leben in Nordrhein-Westfalen (NRW). Davon habe jeder zweite bis dritte massive Gewalterlebnisse hinter sich, erklärten die Psychotherapeutenkammer NRW und das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge (PSZ) Düsseldorf anlässlich des Internationalen Tags der Folteropfer vergangene Woche. „Bis heute stellen deutsche Behörden nicht ausreichend sicher, dass Flüchtlinge mit traumatischen Erfahrungen die erforderlichen medizinischen Leistungen erhalten“, betonte Eva van Keuk vom PSZ Düsseldorf.

„Vor allem psychische Krankheiten gelten bei deutschen Asylbehörden häufig nicht als behandlungsbedürftig“, kritisierte Monika Konitzer, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW. Viele psychische Störungen seien jedoch schwere und lang dauernde Erkrankungen und nicht selten lebensgefährlich, da die Patienten suizidgefährdet seien. „Psychische Folter ersetzt heute häufig physische Folter, weil sie keine körperlichen Spuren hinterlässt und schwer nachweisbar ist“, so die Kammerpräsidentin. Diese sei aber ebenso schmerzhaft und verletzend wie körperliche Folter und könne einen Menschen dauerhaft zerstören. Die Kammer und das PSZ fordern die Behörden daher auf, dringend den Rat der Psychotherapeuten einzuholen, um Folteropfer systematisch zu identifizieren. Diese seien häufig nicht in der Lage, ihre traumatischen Erlebnisse chronologisch korrekt wiederzugeben, was sich häufig negativ auf ihre Glaubwürdigkeit im Asylverfahren auswirke. „Aber auch schwerste traumatische Störungen können gut behandelt werden, wenn die Opfer danach in sicheren Strukturen leben können“, betonte Keuk.

Seit Februar 2005 müssen Flüchtlinge, die Folter, Vergewaltigung oder andere schwere Gewalttaten erlitten haben, nach EU-Richtlinien die erforderliche Behandlung erhalten. sun
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