ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2008Internetrecherche: Auseinandersetzung mit einer anderen Perspektive

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Internetrecherche: Auseinandersetzung mit einer anderen Perspektive

PP 7, Ausgabe Juli 2008, Seite 306

Eichenberg, Christiane; Abitz, Karin

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LNSLNS Ausgewählte Webseiten zur Schnittstelle Neurowissenschaft und Psychotherapie

Forschungen in der Schnittstelle von Neurowissenschaften und Psychotherapie liegen im Trend, die Fachbereiche kooperieren. Neurowissenschaftliche Perspektiven können bei der Untersuchung psychischer Störungen hilfreich sein und bieten ein Potenzial als integrierende Basis zwischen den verschiedenen Therapierichtungen (Storch, 2002). Die unterschiedlichen Ansatzpunkte können sich gegenseitig ergänzen und zu einem ganzheitlichen Verständnis verschiedener Störungen beitragen (Beutel et al., 2005; Subic-Wrana et al., 2006). Veränderungsprozesse, die durch Psychotherapie angestoßen werden, können zudem durch neurowissenschaftliche Methoden nachgewiesen werden. Insgesamt ist es sinnvoll, dass sich Psychotherapeuten und klinische Psychologen mit der neurowissenschaftlichen Perspektive auseinandersetzen, da sie hilfreich beim Verständnis von Diagnosen und für die psychotherapeutische Behandlung sein kann.

Überblick
Für Interessierte, die sich ganz allgemein in Neurophysiologie fortbilden möchten, empfiehlt sich der Verweis auf eine Webseite der Harvard Universität (1). Plastisch dargestellt werden Hirnstrukturen auf MRT-Bildern.
Eine englischsprachige Suchdatenbank zu Neurowissenschaften, herausgegeben von dem Neurologen Neil A. Busis, Pittsburgh Neurology Center, findet man unter (2).
Ganz konkret zum Thema Neurowissenschaften und Psychotherapie gibt es im Internet einige frei verfügbare Einführungstexte. So skizziert Prof. Manfred Beutel, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Gießen, in einem Beitrag der Zeitschrift „Psychotherapeut“ neuere Entwicklungen, Methoden und Ergebnisse der kognitiven Neurowissenschaften, die für die Psychotherapie relevant sind (3).
In einem Interview geht der Neurowissenschaftler und Psychoanalytiker Mark Solms, Professor für Psychiatrie am Mount Sinai Hospital in New York, der Frage nach, inwiefern Freuds Seelenkunde und die moderne Hirnforschung miteinander vereinbar sind (4).
www.neuro-psa.org.uk
www.neuro-psa.org.uk
Eine Power-Point-Präsentation zu einem Vortrag von Prof. Klaus Grawe zur Neuropsychotherapie und allgemeinen Psychotherapie ist unter (5) zu finden. Ein Artikel des Autors mit dem Titel „Von der Verhaltenstherapie zur Neuropsychotherapie“ steht auf der Internetseite des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten e.V. bereit (6). Interessierte können eine Rezension von Prof. Gottfried Fischer zu dem Buch „Neuropsychotherapie“ von Klaus Grawe in der Zeitschrift „Psyche“ (Februar 2006, 60. Jahrgang, Heft 2, S. 184–9) einsehen.
Eine Rezension von Gerhard Buchkremer zu dem Buch „Funktionelle Bildgebung in Psychiatrie und Psychotherapie, Methodische Grundlagen und klinische Anwendungen“ von Priv.-Doz. Dr. Henrik Walter kann unter (7) abgerufen werden.
Ein Vortrag von Professor Hinderk Emrich, Abteilung klinische Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der medizinischen Hochschule Hannover, über Neurowissenschaften als Herausforderung für die Psychotherapie, den er im Rahmen der 51. Lindauer Therapiewochen 2001 gehalten hat, steht ebenso im Internet zur Verfügung (8).
Unter dem Link (9) finden Interessierte einen Artikel von Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber über die Chancen einer interdisziplinären Verständigung zwischen Psychoanalyse und Neurowissenschaften.

Universitäten
Auf der Internetpräsenz des Universitätsklinikums Aachen sind Informationen über das Lehr- und Forschungsgebiet Experimentelle Psychopathologie bereitgestellt. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe erforschen die Genesen und Ätiologien von psychiatrischen Erkrankungen mittels funktioneller Kernspintomografie (fMRT), struktureller MRT und experimentalpsychologischer Verfahren (10).
Das Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen (11) verfolgt verschiedene Projekte, die psychotherapeutische Fragen neurowissenschaftlich beantworten, wie zum Beispiel „cognitive psychophysiology and states of consciousness“.
Die Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Bonn erforscht kognitive und affektive Prozesse bei gesunden Probanden und Patienten mit psychiatrischen Störungen mithilfe verschiedener Methoden des Neuroimaging (12).
Eine Klinik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe der Universität Bochum setzt ebenfalls einen Forschungsschwerpunkt auf die Untersuchungen von psychiatrischen Erkrankungen anhand von bildgebundenen Verfahren (13). Derzeit werden von der Forschergruppe spezielle Funktionen bei zwei psychiatrischen Erkrankungen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie untersucht, „das dopaminerge Verstärkungs- und Motivationssystem bei Patienten mit einem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)“ und „die soziale Kognition bei Patienten mit einer schizophrenen Psychose“.
Die Arbeitsgruppe Bildgebung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Köln (14) hat das Ziel, psychiatrische Erkrankungen pathophysiologisch aufzuklären. Grundlage der Untersuchungen sind bildgebende Verfahren, wobei die sozial kognitiven Leistungen im Fokus stehen.
Das Klinikum der Universität Frankfurt integriert ein Zentrum für Bildgebung in den Neurowissenschaften (15) mit dem Ziel, die wissenschaftlichen Expertisen aus unterschiedlichen Bereichen wie kognitive Psychologie, Elektrophysiologie, Psychiatrie, Neurologie, Neuroradiologie, magnetoresistive Physik und Informatik zu vereinigen.
Das Universitätsklinikum Jena erforscht die Ursachen, Verläufe und Therapie psychiatrischer Erkrankungen mit psychopathologischen, psychotherapeutischen und neurobiologischen Forschungsmethoden (16), wobei bildgebende Verfahren mit der strukturellen und funktionellen Magnetresonanztomografie, die Diffusionstensorbildgebung (DTI) und die Magnetresonanzspektroskopie (MRS) eine zentrale Stellung einnehmen.
Die Arbeitsgruppe Hirnbiologische Psychoseforschung der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Magdeburg (17) legt ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt auf den Bereich hirnstruktureller Veränderungen bei endogenen Psychosen.
Der Fachbereich Biologische Psychologie der Humboldt-Universität in Berlin beschäftigt sich in einem Schwerpunkt mit der Anwendung psychophysiologischer Methoden auf kognitionspsychologische Fragestellungen (18). Derzeitige Forschungsprojekte sind unter anderem „Emotionen in kognitiven Konflikten“, „Intentionalität und Spezifität konfliktbedingter Anpassungsprozesse“ und „Psychometrische Struktur und Neuropsychologie des Personengedächtnisses“.
Die Sektion Experimentelle Neuropsychiatrie des Universitätsklinikums Freiburg widmet sich den neurologischen und neurobiologischen Grundlagen geistiger Leistungen und psychischer Störungen (19).
Die Arbeitseinheit Physiologische Psychologie der Universität Bielefeld bietet auf ihrer Internetseite einen Überblick über eine Fülle von aktuellen und früheren Forschungsprojekten wie beispielsweise „False memories und visuelles Gedächtnis“ und „Abruf autobiografischer und fiktiver Episoden bei Patienten mit funktioneller retrograder Amnesie“ (20).
Nawww.med.harvard.edu/AANLIB/cases/caseNA/pb9.htm
Nawww.med.harvard.edu/AANLIB/cases/caseNA/pb9.htm
Das Institut für Psychologie der Universität Greifswald (21) informiert im Internet über Forschungsprojekte wie zum Beispiel „Neuronale Aktivierung und peripherphysiologische Reaktionsmuster bei spezifischen Phobien“ und „affektive Reaktivität bei Depression“.

Fachgesellschaften
Die Homepage der 1950 gegründeten Deutschen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) (22) offeriert ein breites Informationsangebot. Unter dem Link „Mitglieder/Preise“ werden Preisträger der letzten Jahre vorgestellt, die vom DGKN gewürdigt wurden.
Ebenso wird in einem Tagungskalender auf aktuelle Kongresse und Fortbildungsveranstaltungen aufmerksam gemacht und es werden weiterführende Internetadressen zu anderen Instituten, Gesellschaften und Verlagen zusammengestellt. Zudem werden aktuelle Stellenangebote und Richtlinien wie Empfehlungen für die Ausbildung in der klinischen Elektroenzephalografie (EEG), der klinischen Elektromyografie (EMG) und in den evozierten Potenzialen (EP) und in anderen Gebieten veröffentlicht.
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) (23), die 1954 unter damals anderem Namen gegründet wurde, informiert über Fort- und Weiterbildungen. Des Weiteren stehen Informationen über Kongresse, Forschungsförderung und Preise/Auszeichnungen, die die Gesellschaft vergibt, bereit. Folgt man dem Link „Stellungnahmen“ findet man verschiedene Artikel, zum Beispiel zum Thema „Diacetylmorphin (Heroin) als Behandlungsbaustein für Schwerstopiatabhängige“ und „Alternative und komplementäre Medizin psychischer Krankheiten“. Zudem werden ein Veranstaltungskalender, eine Stellenbörse und Links zu kooperierenden Organisationen offeriert. Unter dem Verweis „young psychiatrics“ wird ein Referat in der DGPPN vorgestellt, welches jungen Kollegen eine Möglichkeit zum gegenseitigen fachspezifischen Austausch bietet. Hier sind aktuelle Projekte und Termine der „young psychiatrics“ zu finden, sowie eine spezifische Zusammenstellung von Internetadressen, die für jüngere Kollegen interessant sind.
Die Deutsche Gesellschaft für biologische Psychiatrie (24) ist Mitglied der Weltgesellschaft für Biologische Psychiatrie und 1978 gegründet worden. Die Internetpräsenz wird in verschiedenen Sprachen angeboten. Die Gesellschaft plant die Gründung einer Arbeitsgruppe zum Thema „Neuropsychologie in der Psychiatrie“.
Die Deutsche Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendung (DGPA) e.V. (25), gegründet im Jahr 1982, beschäftigt sich mit den Zusammenhängen von physiologischen, psychischen und sozialen Prozessen. Unter dem Link „schwarzes Brett“ finden Interessierte Stellenangebote.
Eine internationale Fachgesellschaft ist die Internationale Gesellschaft für biologische Psychiatrie (26). Die Mitglieder der einzelnen Untergruppen sind unter „task forces“ zu finden. Folgt man dem Link „treatment guidelines“ findet man Verlinkungen zu Zeitschriftenartikeln. Unter „Publications“ können Artikel der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift „World Journal of Biological Psychiatry“ heruntergeladen werden. Ein Veranstaltungskalender, ein Newsletter sowie ein Forum runden das Internetangebot ab.
Die Internationale Gesellschaft für Neuropsychiatrie (INA) (27) verfügt über ein ähnliches Onlineangebot.
Auf der englischsprachigen Internetseite der Internationalen Gesellschaft für Neuropsychoanalyse (28), die im Juli 2000 in London gegründet wurde, wird das Ziel der Gründung expliziert: die Förderung der interdisziplinären Arbeit zwischen den Bereichen der Neurowissenschaften und der Psychoanalyse. Unter „links“ findet man Hinweise zu weiteren Homepages, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, und unter dem Button „congresses“ gibt es eine Übersicht über kommende Kongresse. Zudem können Interessierte Informationen und Literatur zu vergangenen Kongressen über die Homepage bestellen. Der Link „library“ beinhaltet eine ausführliche Literaturliste zum Thema. Die Homepage bietet ein Diskussionsforum an.
Zeitschriften
Auf der Internetseite der Internationalen Gesellschaft für Neuropsychoanalyse findet man die Inhaltsangaben der Zeitschrift „Neuropsychoanalysis“ von 1999–2007, die von der Gesellschaft zweimal jährlich herausgegeben wird (29).
Auf der Homepage des „Journal of Psychiatry and Neuroscience“ (30), das von der Canadian Medical Association herausgegeben wird, finden Interessierte frei verfügbare englischsprachige Beiträge der verschiedenen Ausgaben im Volltext.
Die Inhaltsangaben der Jahre 2004–2006 sowie teilweise kostenlose Volltexte der englischsprachigen Zeitschrift „Neuropsychotherapeutics“ finden Interessierte unter (31). In den einzelnen Ausgaben werden unter anderem Themen wie „New Directions in Psychiatric Therapeutics“ oder „Neuroimaging: Anything to do with neurotherapeutics?“ aufgegriffen. n
Dr. Christiane Eichenberg, Karin Abitz

Anschrift der Verfasserinnen:
Dipl.-Psych. Dr. Christiane Eichenberg, Karin Abitz, Institut für Klinische Psychologie & Psychologische Diagnostik, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de, www.christianeeichenberg.de


Internetadressen
 1. www.med.harvard.edu/AANLIB/home.html
 2. www.neuroguide.com
 3. www.med.uni-giessen.de/psychosomatik/therapie/publikationen/pdf/Beutel2002_neurowiss_psychother.pdf
 4. www.sigmundfreud.de/interview?content=533888
 5. www.sgvt-sstcc.ch/fileadmin/dateien-sgvt/veranstaltungen/referat-grawe-folien.pdf
 6. www.bvvp.de/news04/vt_nt_grawe.htm
 7. www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=49094
 8. www.lptw.de/archiv/vortrag/2001/emrich_hinderik.pdf
 9. www.psychoanalyse-aktuell.de/wissenschaft/neurowissenschaft.html
10. www.ukaachen.de/content/page/4525199
11. www.mp.uni-tuebingen.de/mp/index.php?id=7
12. www.meb.uni-bonn.de/psychiatrie/mp/forschung.htm
13. www.psychiatrie-bochum.de/front_content.php?idcat=1270
14. www.uk-koeln.de/kliniken/psychiatrie/Bildgebung/index.htm
15. www.kgu.de/bic
16. www.psychiatrie.uniklinikum-jena.de/Schwerpunkte.html
17. www.med.uni-magdeburg.de/fme/znh/kpsy
18. www.psychologie.hu-berlin.de/prof/bio/forschung
19. www.uniklinik-freiburg.de/psych/live/sektionen/sektion-exp-neuropsych.html
20. www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE14/FORSCHUNG/Forschung.htm
21. www.phil.uni-greifswald.de/Forschungsprojekte.3453.0.html
22. www.dgkn.de
23. www.dgppn.de
24. www.dtsch-ges-biol-psychiat.de
25. www.dgpa.de
26. www.wfsbp.org
27. www.inawebsite.org
28. www.neuro-psa.org.uk
29. www.neuropsa.org.uk => Journal
30. www.cma.ca/index.cfm/ci_id/54352/la_id/1.htm
31. www.journals.elsevierhealth.com/periodicals/nurx/issues
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