ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2008Rechtspsychologie: Profunder Überblick

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Rechtspsychologie: Profunder Überblick

PP 7, Ausgabe Juli 2008, Seite 321

Koch, Joachim

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LNSLNS Allgegenwärtig in der gesellschaftlichen Diskussion und in den Medien sind die Verbrechen der Sexualstraftäter, für die – die Emotionen schwappen hier verständlicherweise schnell hoch – drakonische Strafen gefordert werden. Sexualstraftaten sind besonders im Blick, obwohl sie nur einen kleinen Teil der gesamten begangenen Verbrechen ausmachen. Wenn immer wieder moniert wurde und wird, dass Täter zu früh oder überhaupt freigelassen wurden, droht heute auch die Gefahr, dass den Tätern das Menschsein abgesprochen wird (siehe reißerische Buchtitel wie „Bestie Mensch“). In einigen deutschen Bundesländern gibt es mittlerweile eine äußerst restriktive Praxis. Das steht allerdings in keinem Vergleich zur Praxis in den USA beziehungsweise zu dem, was dort geplant ist. Sexualstraftätern (und dazu zählen alle möglichen Straftaten) wird jegliche Perspektive zur Integration in die Gesellschaft zunichte- gemacht (dazu Human Rights Watch in der Publikation „No Easy Answers. Sex Offender Laws in the US“). Die Rechtspsychologie ist gefordert, Stellung zu beziehen.
Rechtspsychologie bezeichnet alle Bereiche, in denen rechtliche und psychologische Inhalte zusammentreffen. Für den Bereich des Rechts bedeutet das, dass die Psychologie zur Erreichung rechtlicher Ziele eingesetzt wird, aus psychologisch-rechtlicher Perspektive wird das Recht einer kritischen Betrachtung unterzogen. Früher wurde forensische Psychologie als eine Hilfswissenschaft des Rechts verstanden, die heutige Rechtspsychologie hat sich begrifflich und inhaltlich erweitert und emanzipiert und stellt eine eigenständige wissenschaftliche Perspektive dar. Sie umfasst neben der forensischen Psychologie, verstanden als Begutachtungskunde, und der Kriminalpsychologie, bei der es um die Entstehung und die Formen von Verbrechen geht, auch die juristische Verwendung von Konzepten aus der Psychologie wie „Wille“, „Verantwortlichkeit“ oder „Vorsatz“. Daneben leistet die Psychologie Beiträge zu den Themen der Rechtsanwendung und dem Rechtsempfinden.
Das neue Handbuch gewährt einen profunden Überblick und Einblick in die Rechtspsychologie. In gewohnter Qualität der Reihe „Handbuch der Psychologie“ werden die Inhalte exzellent systematisch aufbereitet und auf hohem Niveau in einzelnen Aufsätzen komprimiert dargestellt. Didaktisch ist die Arbeit gut durchdacht, beispielsweise werden besonders wichtige Inhalte durch räumliche sowie farbliche Gestaltung hervorgehoben. Die Texte sind durchweg gut verständlich, was die Rezeption erleichtert. Joachim Koch

Renate Volbert, Max Steller (Hrsg.): Handbuch der Rechtspsychologie. Hogrefe, Göttingen, 2008, 649 Seiten, kartoniert, 59,95 Euro
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