ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2008HIV-Schwangerschaft: Bessere Aufklärung nötig
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Wir begrüßen sehr, dass im DÄ das Thema „HIV und Schwangerschaft“ nochmals ins Blickfeld gerückt wurde. Da bis zu 99 Prozent der perinatalen Infektionen vermeidbar sind, ist eine bessere Aufklärung aller Schwangeren (und auch der Ärzte, die die HIV-Tests in der Schwangerenvorsorge durchführen) essenziell. Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass der Frauenarzt auch schon vor der derzeitigen Aktualisierung der Mutterschaftsrichtlinien verpflichtet war, jeder Schwangeren einen HIV-Test anzubieten. Lediglich die Modalitäten der Aufklärung und Dokumentation im Mutterpass wurden geändert, um die Wichtigkeit dieser Maßnahme zu unterstreichen. Außerdem bezieht sich der Abschnitt über das Vorgehen zur Senkung der vertikalen Transmission von HIV auf die vor Kurzem veröffentlichten europäischen Empfehlungen und nicht auf die noch geltenden deutsch-österreichischen Richtlinien vom Jahr 2005, die sich zurzeit in Überarbeitung befinden. Insbesondere muss darauf hingewiesen werden, dass eine Spontangeburt nicht generell empfohlen werden kann, auch wenn die mütterliche Viruslast nach der 34. SSW unter einer antiretroviralen Therapie unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Aufgrund der derzeitigen Datenlage müssen die werdenden Eltern auf jeden Fall über ein eventuelles minimal erhöhtes Transmissionsrisiko bei der Spontangeburt aufgeklärt werden. Außerdem sollten bei der Schwangeren kein schwerer Immundefekt bzw. keine fortgeschrittene HIV-Infektion vorliegen. Auch geburtshilfliche Befunde, wie eine vorangegangene Schnittentbindung oder fetale Lageanomalien, können eine Sectio notwendig machen. Bei einer Spontangeburt sind zudem einige Besonderheiten zu beachten (intrapartale Zidovudingabe, Vermeidung invasiver Prozeduren wie z. B. Mikroblutuntersuchungen sowie vaginal operativer Entbindungen, großzügige Sectioindikation bei protrahierten Geburtsverläufen oder Verdacht auf Amnioninfektion). Um die maternofetale Übertragungsrate von HIV weiter zu senken, sollten daher alle HIV-positiven Frauen in spezialisierten Praxen und Kliniken betreut werden.
Dr. med. Katharina von Weizsäcker,
Klinik für Geburtsmedizin, Charité – CVK,
Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
Für die Arbeitsgruppe HIV in der Gynäkologie und
Geburtshilfe innerhalb der DGGG
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