ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2008Telematik: Zu theoretisch
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Als niedergelassener Basismediziner und Bürger dieses Landes erwarte ich von unserer berufsständischen Vertretung in der Frage der Einführung der E-Card endlich eine klare, durchaus auch politische Positionierung, die in der breiten Öffentlichkeit auch verstanden werden kann. Dies lässt die Entschließung des Ärztetages in Ulm zur Telematik leider vermissen. Hier wurde stattdessen, wieder einmal, auf hohem Niveau theoretisiert und über datentechnische Detailprobleme philosophiert. Die politischen Entscheidungsträger und die Lobbyisten der IT-Industrie nehmen das doch gar nicht wahr, geschweige denn ernst. Hier winkt ein milliardenschweres Geschäft mit Patientendaten, das dann noch willfährig von der Ärzteschaft finanziert und umgesetzt werden soll. Was und wo und wie wird gespeichert, wer hat am Ende Zugriff, welche Patientenprofile können von wem erstellt werden (was dann auch irgendwann passieren wird, siehe Telekom-Skandal)? Die Regierenden wollen die Bürger von der Wiege bis zur Bahre in allen Lebensbereichen erfassen und überwachen. Die IT-Industrie liefert die technischen Voraussetzungen, auf der Strecke bleibt der Mensch. Datenschutz wird zur Farce . . . Wann endlich wird die Vertretung der deutschen Ärzteschaft wach und findet den Mut, einmal ein kategorisches „Nein“ und „nicht mit uns“ zu sagen. Denn was will die Bruderschaft aus Politik und IT-Branche schon ausrichten, wenn die Ärzteschaft sich diesem IT-Nonsens auf Kosten von uns allen verweigert. Man wird uns wohl kaum mithilfe der Polizei die entsprechenden Apparaturen in die Praxis bringen können . . .
Hans Peter Grätz, Meckelstraße 43,
42287 Wuppertal

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