ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1996Einkommen: Wo bleibt da die Gerechtigkeit ?

SPEKTRUM: Leserbriefe

Einkommen: Wo bleibt da die Gerechtigkeit ?

Dtsch Arztebl 1996; 93(1-2): A-10 / B-7 / C-7

Schönert, Brigitte

Gedanken zur Einkommenssituation von Ärzten
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LNSLNS Schon wieder wird nach der Salami-Taktik am Einkommen der Ärzte geschnippelt! Wie der Tagespresse zu entnehmen war, macht die Colonia-Versicherung wohl den Anfang: Sie will an ihre Mitglieder Listen verteilen mit den Namen der Ärzte, die bereit sind, Privatpatienten preiswerter zu behandeln als die Kollegen. Sucht also ein Patient einen Arzt auf, der nicht auf der Liste steht, wird er nur 80 Prozent der Rechnungssumme ersetzt bekommen. Der Nutznießer ist natürlich die Versicherung, die zwar weniger erstatten muß, mit Sicherheit aber nicht entsprechende Prämiennachlässe gewähren wird! Ich bin gespannt, ob unsere Standesvertreter es vielleicht diesmal schaffen, uns Ärzte zur Solidarität und zum Boykott aufzurufen. Wenn nämlich keiner von uns zu diesen Diskontpreisen abrechnet, wird sich für die Patienten bei der Auswahl ihrer Ärzte nichts ändern. Wahrscheinlich werden wir aber wieder wie Schlachtvieh gottergeben auch diese Beschneidung unseres Einkommens hinnehmen, getreu der Devise: Um Schlimmeres zu verhüten! Apropos Einkommen: 1978 hatten wir noch einen Punktwert von 10,0 Pfennig, jetzt sind wir bereits bei 7,95 Pfennig gelandet, also zirka 20 Prozent weniger. Gleichzeitig empfinden Gewerkschaften eine Lohnerhöhung von nur drei Prozent schon als Grund zum Streiken und die Bundestagsabgeordneten eine Diätenerhöhung um 24 Prozent als maßvoll. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Oder können wir alle nicht rechnen?
Dr. med. Brigitte Schönert, Hauptstraße 21, 83684 Tegernsee
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