ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2008Börsebius: Vorsicht vor dem Urlaubsdepotmonster

GELDANLAGE

Börsebius: Vorsicht vor dem Urlaubsdepotmonster

Dtsch Arztebl 2008; 105(30): A-1625 / B-1401 / C-1369

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wer kennt nicht im Urlaub das seltsame Verhalten des Ehemanns oder Lebenspartners, der immer zur Unzeit im Internetcafé verschwindet. Was er da wohl treibt? Andere wiederum kennen gar den Grund für die Cyberbesuche, unterstützen sie möglicherweise aus Angst vor größeren Schadensfällen.

Diese sonderbare Hast in die Onlinewelt hat oft mit der Fürsorge um das eigene Wertpapierdepot zu tun. Besonders krass nimmt die Furcht verständlicherweise in diesen Wochen zu, einmal, weil eh Urlaubszeit ist, und zum anderen erschüttern die bereits erlittenen dramatischen Kursverluste das Nervenkostüm von Grund auf. Hilflosigkeit soll durch permanente Überwachung und jederzeitige Reaktionsfähigkeit wenigstens ersetzt werden.

Wenn aber die Notbremsen erst am Urlaubsort gezogen werden (müssen), ist grundsätzlich einiges schief gelaufen, erst recht, wenn einen der Banker jeden Tag anruft. Normalerweise muss ein Portfolio so strukturiert sein, dass es auch ein paar Urlaubswochen ohne ständige Beaufsichtigung locker durchhält. Das ist nur zu schaffen, wenn das Depot langfristig strukturiert ist, ein vernünftiges Chance-Risiko-Profil aufweist und nicht zu zersplittert ist. Klingt gut, aber was heißt das konkret? Unsichere Kantonisten sollten möglichst vor den schönsten Wochen des Jahres eliminiert werden. Erst recht bloß keine Optionen oder Warrants vor dem Urlaub erwerben; so schnell kann sich keiner die Hosen verbrennen, wie der Markt zuweilen falsch läuft. Übrigens, ich bin absolut kein Freund der viel gepriesenen Stopp-Loss-Orders, weder im Urlaub noch zuhause. Stopp-Loss heißt noch lange nicht, dass ich den exakten Stopp-Kurs abgerechnet bekomme, sondern möglicherweise einen Wert weit darunter!

Wer ganz sicher gehen will, sichert sein Depot mit Verkaufsoptionen ab, damit bezahlt er eine Art Versicherungsprämie, wenn es bergab geht mit der Folge, dass er am Ende weniger verliert als die anderen, die untätig geblieben sind.

Ohne Angst reist freilich auch in den Urlaub, wer Fonds kauft und damit die laufende Betreuung und Überwachung an Profis überträgt. Er verzichtet aber möglicherweise auf eine bessere Rendite, da Fonds in der Regel recht hohe Kosten produzieren. Ein bisschen Schwund ist bekanntlich immer. Aber lieber sorgenfrei als Panik am Stand.


Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 2. August 2008 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80-17). Die kostenlose Telefonberatung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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