ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2008Notfall-Kontrazeption: Medizinisch zu hinterfragen
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Man reibt sich die Augen: Erst in Heft 10/2008 des DÄ hatte Prof. Wiesing, Tübingen, „Lebensschützer“ – (meinte er die konsequent hippokratisch praktizierenden Ärzte?) – kritisiert, sie würden sich in einem „stellvertretenden Kulturkampf“ gegen die Stichtagsverschiebung beim Stammzellimport wehren, wo doch „bereits jetzt Embryonen durch . . . die ,Pille danach‘ millionenfach daran gehindert würden, sich weiterzuentwickeln“. Jetzt behaupten Dr. Kothé und Prof. Dr. Kentenich im DÄ, Levonorgestrel (LNG) wirke „nachweislich nicht . . . auf Fertilisierung, Expression von Steroidrezeptoren, Endometriumreifung oder Implantation“. Eine solche Darstellung ist medizinisch zu hinterfragen. Denn die interzeptiven (nidationshemmenden) Effekte der „Pille danach“ sind international nachgewiesen: u. a. durch R. Mikolajczyk und J. Stanford (Utah/USA, in: „Fertility and Sterility“, 2006), durch Prof. J. Trussell (Princeton/USA, 2006), durch die Wiener Ärzte Maria Stoll und Walter Rella, die aus der exakten Analyse der Dynamik im weiblichen Hormonhaushalt schließen, dass die Einnahme von LNG bis zwei Tage vor dem LH-Gipfel, d. h. „nur an zwei, maximal drei von sieben Tagen“ der weiblichen Empfängnisbereitschaft ovulationshemmend wirkt. „Rein rechnerisch hat bei der Einnahme an beliebigen Zyklustagen die frühabortive gegenüber der kontrazeptiven Wirkung sogar eine höhere Wahrscheinlichkeit.“ Die Firma Schering räumt auf Anschreiben (2006) ein: „Es ist möglich, dass mehrere Mechanismen in Abhängigkeit . . . der Zyklusphase beteiligt sind . . . In der postovulatorischen Phase kann die Ovulationshemmung ausbleiben, die Länge der Lutealphase wird jedoch vermindert und die totale LH-Konzentration in der Lutealphase wird reduziert. Diese Beobachtung deutet auf einen Postfertilisationseffekt hin . . . Deshalb kann man nicht zu dem Schluss kommen, dass ECPs“ – also Mittel wie LNG – „niemals eine Schwangerschaft nach der Fertilisierung verhindern“ . . .
Dr. med. Maria Overdick-Gulden, Markusberg 24 e, 54293 Trier
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