ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2008Niedergelassene: Auf groteske Art naiv
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Die von der FDP zum Thema „Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte“ an die Bundesregierung gestellte Anfrage bringt Ergebnisse, die man aus der Praxis heraus so sicherlich nur mit Verbitterung über die Ignoranz gegenüber der Realität zur Kenntnis nehmen kann. Festgestellt wird, dass die Arbeitsbelastung der ambulant tätigen Mediziner abnehme, gemessen anhand der abgerechneten EBM-Punkte, die sich zwischen 2004 und 2006 gegenüber 2001 bis 2003 um 5, 3 Prozent vermindert haben. Ich finde es auf eine groteske Art naiv, die abgerechneten EBM-Punkte als Maß für die Arbeitsbelastung zu verwenden. Denn ich weiß genau, warum die Anzahl der Punkte abgenommen hat. Nicht weil die Arbeit abgenommen hat, sondern weil die Arbeit zugenommen hat, nicht die mit dem Patienten, sondern die Arbeit vor dem Bildschirm. Man schafft einfach nicht mehr die Patientenzahl wie früher, alles geht langsamer, die Zeit fehlt, man muss Patienten abweisen aufgrund der vielen zusätzlichen Arbeitsschritte in der Dokumentation der Diagnosen, der komplizierter werdenden Leistungsabrechnung, der aufgrund von Vorgaben des Abrechnungssystems immer komplexer werdenden EDV-Steuerung oder z. B. auch durch die grundsätzlich natürlich richtigen Meldungen an das Krebsregister, die aber in einer operativ orientierten dermatologischen Praxis leicht zusätzliche 60 bis 90 Minuten in der Woche beanspruchen.
Da liegt die Wahrheit der Arbeitsbelastung, nicht in den abgerechneten EBM-Punkten.
Dr. med. Wolfgang Röhrborn, Walburgisstraße 23, 59457 Werl
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