ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2008Hämostaseologie: Gelungener Spagat

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Hämostaseologie: Gelungener Spagat

Dtsch Arztebl 2008; 105(31-32): A-1672 / B-1444 / C-1410

Hildebrandt, Martin

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Im klinischen Alltag sind hämostaseologische Fragestellungen oftmals gefürchtet. Neue Medikamente haben in den letzten Jahren zwar eine erheblich vereinfachte Behandlung mancher hämostaseologischer Probleme ermöglicht. Dennoch wird in kaum einem anderen Fachgebiet so deutlich, wie durch therapeutische Interventionen Risiken gegeneinander zwar ausbalanciert, jedoch nie aufgehoben werden können.

Das Buch ist ein praxisnah einsetzbares Kompendium, das zugleich differenziert auf die Facetten moderner hämostaseologischer Diagnostik und Therapie eingeht. Zwar entsteht zunächst der Eindruck, hier seien verschiedene Aspekte der Hämostaseologie in der Qualität selbstständiger Lehrbücher zu einem Band gebündelt; zugleich bedingt dies eben die herausragende Qualität des Buches.

Im Kapitel zu den Grundlagen der Gerinnung fällt positiv die Darstellung der komplexen Einbindung von Protein C in Entzündung, Gerinnung und Zellprotektion auf. Das aktuelle Modell der Gerinnungsaktivierung in vivo, welches die Dichotomie in einen intrinsischen und extrinsischen Gerinnungsweg zugunsten einer Tissue-factor-zentrierten Betrachtung verlässt, wird hingegen vermisst. Dem methodologischen Bereich haftet ein auffallend starrer, vielleicht zu sehr schematischer Charakter an. So steht dieser Abschnitt, der an ein Labormanual erinnert, im Gesamtkontext etwas separat; dies ermöglicht jedoch einen raschen und präzisen Informationszugriff.

Der klinische Teil des Buchs lädt mit Fallbeispielen und konsequent integrierter individualisierter Betrachtungsweise zu einer ebenso fesselnden wie lehrreichen Lektüre ein. Die Abschnitte zur Pharmakotherapie der Gerinnungsstörungen sind praxisnah und in für die klinische Nutzung hilfreicher Weise gestaltet. Hinsichtlich der angestrebten Aktualität des Buchs wäre allerdings eine kritische Diskussion der Dosierungen moderner Antikoagulanzien wie Argatroban und des rekombinanten Faktors VIIa wünschenswert gewesen.

Das Buch bündelt die Facetten moderner hämostaseologischer Diagnostik und Therapie – mit der Folge, dass manche Abschnitte den Charakter eines eigenständigen Lehrbuchs entwickeln. Es überwiegt jedoch der Eindruck eines gelungenen Spagats: Das Buch ist zweifellos eine wertvolle Grundlage für den sicheren Umgang mit hämostaseologischen Problemsituationen in der klinischen Praxis und kann zugleich als Nachschlagewerk empfohlen werden.
Martin Hildebrandt

Hans D. Bruhn, Christian M. Schambeck, Viola Hach-Wunderle (Hrsg.): Hämostaseologie für die Praxis. Sicher durch den klinischen Alltag. Schattauer, Stuttgart, New York, 2007, 592 Seiten, gebunden, 89 Euro
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