ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2008Art Cologne: Qualität statt Quantität

KULTUR

Art Cologne: Qualität statt Quantität

Dtsch Arztebl 2008; 105(31-32): A-1677

Jaeschke, Helmut

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LNSLNS Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die Messe gut behauptet, vor allem die Reduzierung der Ausstellerzahl hat sich bewährt.

Foto: Art Cologne
Foto: Art Cologne
Selten war die Spannung so groß wie vor der diesjährigen Art Cologne. Würde diese Messe wieder zu früherer Bedeutung zurückfinden, oder würden die Kritiker recht behalten, die den Kunstmarktstandort Köln generell schon auf verlorenem Posten sahen? Um es vorwegzunehmen, allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die Messe gut behauptet, vor allem die Reduzierung der Ausstellerzahl auf 150 Galerien hat sich als richtige Entscheidung erwiesen.

Nach dem Motto Qualität statt Quantität wurde kräftig gesiebt und mit der neuen Abteilung „Open Space“ zusätzlich eine Plattform für neue Tendenzen geschaffen. Während dort viel Experimentelles sowie Fotografie und Video dominierten, trumpften in der Halle 5 Galerien wie Salis und Vertes aus Salzburg oder Thomas aus München mit den Klassikern Marc Chagall, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner oder Tom Wesselmann auf. Die Publikumsresonanz (circa 55 000 Besucher) und die Verkaufszahlen waren besser als bei der letztjährigen Messe. Sowohl aktuelle Kunst war gesucht als auch Arriviertes bei der Galerie Schlichtenmaier, die sich über den Verkauf eines Gemäldes von Nay aus dem Jahr 1952 (130 000 Euro) und eines „Kopffüßlers“ von Antes aus dem Jahr 1969 freute (78 000 Euro). Johannes Hüppi zeigte erstmals neben seinen kleinen Formaten auf Sperrholz eine große Leinwandarbeit. Auch die fand für annähernd 30 000 Euro einen Liebhaber (Galerie Löhrl).

Nach wie vor ist nicht ganz nachvollziehbar, warum die Messeleitung aus Angst vor der Konkurrenz nervös geworden ist und übereilte Entscheidungen getroffen hat, die nun kaum mehr zurückzunehmen sind. Ein großer Fehler war die Terminverlegung vom November auf das Frühjahr, denn jetzt kollidiert der neue Termin mit dem der Hauptkonkurrenten The European Fine Art Foundation Maastricht (März) und Art Basel (Anfang Juni).

Gelassenheit gegenüber Berliner Grabenkämpfen
Mit den fast gleichzeitigen Herbstterminen des Art Forum Berlin und selbst der Frieze Art London hätte die Art Cologne weiterhin gut leben können, denn beide Messen sind im Gegensatz zu ihr einseitig auf zeitgenössische Kunst ausgerichtet. Zumindest das Art Forum Berlin hat damit seine Probleme. Die letzte Präsentation war weitgehend enttäuschend. Pikanterweise bekommt diese Messe jetzt auch noch hausgemachte Konkurrenz. Der mit der Art Frankfurt gescheiterte Michael Neff kreiert eine neue „Art Berlin Contemporary“ mit 50 Galerien im einstigen Postbahnhof ausgerechnet vom 4. bis 7. September und damit nur kurze Zeit vor dem Art Forum Berlin. Diesen Berliner Grabenkämpfen sollte die Art Cologne eher gelassen zuschauen. Solange Galeristen wie Michael Haas, Henze und Ketterer, Remmert und Barth und andere Schwergewichte mit ihrem glänzenden Angebot an museumsreifer Kunst der Messe die Treue halten, bleibt die Art Cologne attraktiv und ihre Stellung unangefochten. Eine noch stärkere Reduzierung der Galerienzahl dürfte allerdings kaum ohne Qualitätsverlust möglich sein. Schon jetzt vermisst man zum Beispiel die Väter der „Leipziger Schule“ Mattheuer und Tübke. Hier wünscht man dem neuen Leiter Daniel Hug den nötigen Sachverstand und ein gutes Augenmaß für die 43. Ausgabe der Art Cologne. Sie findet vom 22. bis 26. April 2009 in der Koelnmesse statt. Zuvor steht vom 19. bis 23. November die Cologne Fine Art and Antiques auf dem Programm.
Dr. med. Helmut Jaeschke
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