ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1996Zusammenschluß interventionell tätiger Kardiologen: Netzwerk zum Austausch von Informationen

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Zusammenschluß interventionell tätiger Kardiologen: Netzwerk zum Austausch von Informationen

Hoc, Siegfried

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LNSLNSLNSLNS Vor wenigen Wochen haben sich fünf große kardiologische Gemeinschaftspraxen in Deutschland sowie Zentren in Italien, Frankreich, Japan und den USA zu einem internationalen Netzwerk von interventionellen Kardiologen (INIC) zusammengeschlossen. Diese Vereinigung soll einen intensiven Austausch unter interventionell tätigen Kardiologen fördern.
Rund 100 000 Herzpatienten unterzogen sich 1995 in Deutschland einem interventionellen Eingriff mit Herzkatheter. Jeder fünfte Eingriff wird inzwischen von einem niedergelassenen Kardiologen durchgeführt, berichtete Dr. Holger Mühling (München). Während die Kardiologen früher den Katheter nur dann einsetzten, wenn eine Koronararterie verengt war, behandeln sie inzwischen auch komplexere Stenosen und Okklusionen, die besonders ausgedehnt und stark mit Kalksalzen inkrustiert sind. Auch Mehrgefäßerkrankungen können heute per Ballonkatheter erfolgreich angegangen werden.


Laserdraht
Langstreckige oder anatomisch ungünstig gelegene Stenosen werden mit Hilfe des Hochfrequenz-Rotablators aufgefräst. Der bisher nur enttäuschende Resultate liefernde Laserkatheter wird – in modifizierter Form – möglicherweise doch zu einem wertvollen Instrument. Es wurde nämlich ein "Laserdraht" entwickelt, der die mechanischen Eigenschaften eines konventionellen Führungsdrahtes besitzt, jedoch mit zwölf Glasfasern ausgerüstet ist, die die Laserenergie auf die Drahtspitze übertragen. Dieser Laserdraht wird eingesetzt, wenn Gefäßverschlüsse mit einem konventionellen Draht nicht überwunden werden können. Solche Stenosen weist rund ein Drittel aller Patienten mit koronarer Herzkrankheit auf.
Wenn beim Aufdehnen des Ballonkatheters der Intima/Media-Komplex des Gefäßes einreißt, drohen Okklusion und Myokardinfarkt. In solchen Fällen behilft man sich heute durch Einführen von Metall-Stents an die Läsion. Sie sollen Restenosen verhindern, die bei 30 bis 40 Prozent der Patienten nach Ballondilatation auftreten. Die früher gefürchteten Stent-Thrombosen, die in 10 bis 15 Prozent der Fälle auftraten, konnten auf zwei Prozent gesenkt werden. Derzeit gelten Gefäßwandverletzungen nach einem Eingriff, hochgradige Verengungen in älteren Bypass-Venen sowie suboptimale Ergebnisse nach Ballondilatation als Indikationen für eine Stent-Implantation.
Heute kann nach Stent-Implantation auf eine orale Antikoagulation mit Cumarinen vollständig verzichtet werden, und der Patient kann die Klinik nach einem Tag verlassen. Die Nachbehandlung besteht aus einer Kombination von täglich 100 bis 325 mg Azetylsalizylsäure und 500 mg Tiklopidin über die folgenden vier bis zwölf Wochen. Laufende Studien sollen klären, welches Nachbehandlungsschema das erfolgreichste ist.
Um die ambulanten Herz-Zentren so gut wie möglich an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen, fragten INIC-Mitglieder insgesamt 200 Patienten nach ihrer Zufriedenheit. Die eine Hälfte der Befragten war zur Katheter-Untersuchung, die andere zur Ballondilatation gekommen. Die Bewertung war insgesamt äußerst positiv, resümierte Dr. Sigmund Silber (München). Doch: Während 80 Prozent der Patienten angaben, der Arzt habe ihnen den Eingriff sehr gut und verständlich erklärt, gaben diese Antwort nur etwa 60 Prozent bezüglich der Aufklärung über Risiken. Nur zwei Drittel der Patienten waren mit der Beantwortung ihrer Fragen durch Mitarbeiter der ambulanten Herz-Zentren voll zufrieden. Siegfried Hoc

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