ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2008Akutstationäre Versorgung: Psychische Erkrankungen auf Platz eins

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Akutstationäre Versorgung: Psychische Erkrankungen auf Platz eins

PP 7, Ausgabe August 2008, Seite 340

Merten, Martina

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Ein besserer Zugang zu ambulanten Angeboten soll stationäre Einweisungen vermeiden. Foto: laif
Ein besserer Zugang zu ambulanten Angeboten soll stationäre Einweisungen vermeiden. Foto: laif
Erstmals haben Akutkrankenhäuser für beide Geschlechter mehr Behandlungstage unter der Diagnose „psychische Störung“ verzeichnet als für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das geht aus dem „Report akutstationäre Versorgung 2008“ der Gmünder Ersatzkasse (GEK) hervor, den das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) Mitte Juli in Berlin vorstellte. Der Bericht bezieht die Daten von 1,9 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung ein und ist damit repräsentativ.

Der Erhebung zufolge ist die Verweildauer für alle Erkrankungen weiter gesunken, und zwar auf 8,8 Tage. 1990 lag sie noch bei 13,4 Tagen. Dagegen sind die Fallzahlen gestiegen. Es kam 2007 zu 179 Krankenhausfällen je 1 000 Versicherte (2006: 175). Mit Blick auf die steigende Bedeutung psychischer Erkrankungen, darunter auch Suchterkrankungen, kündigte der GEK-Vorstandsvorsitzende, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, Kooperationen mit Versorgungsnetzwerken an. Sie sollten bereits vor einer Krankenhauseinweisung zum Zuge kommen, indem sie den Zugang zur Psychotherapie oder zur ambulanten psychiatrischen Behandlung erleichtern. Darüber hinaus sollten sie die Patienten bei der ambulanten oder teilstationären Nachbehandlung betreuen. „Wir sind bereits mit dem Polikum in Berlin und mit einem Ärztenetzwerk in Hamburg im Gespräch“, so Schlenker.

Zu den drei häufigsten Anlässen für einen Kranken­haus­auf­enthalt von Kindern im Alter zwischen einem und 14 Jahren zählten Verletzungen, Magen-Darm-Infektionen und chronische Mandelentzündungen. „Dieser starke Anstieg deutet auf eine Fehlversorgung hin“, betonte ISEG-Autorin Dr. Eva-Maria Bitzer. Als Gründe für die Versechsfachung der Fallzahlen im Vergleich zu 1990 nannte Bitzer ambulante Defizite und Vergütungsunterschiede zwischen ambulant und stationär. Demgegenüber weist der Bericht bei Mandeloperationen nach Ansicht der Autoren auf einen Abbau von Überversorgung hin. Es fanden nur noch halb so viele Operationen statt wie 1990. MM
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