ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1997Weltgesundheitstag: Infektionsschutz verstärken

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Weltgesundheitstag: Infektionsschutz verstärken

Wübben, Josy

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LNSLNS Im Jahr 1996 starben nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) weltweit 55 Millionen Menschen an den Folgen von Infektionskrankheiten. Der Weltgesundheitstag unter dem Motto "Alte und neue Infektionskrankheiten - die unterschätzte Gefahr" machte auf die wachsende Bedrohung aufmerksam. Trotz Antibiotika und Impfstoffen seien auch die Industrienationen gefährdet. In der Bundesrepublik beruhen dem Bundesministerium für Gesundheit zufolge 25 bis 30 Prozent aller Diagnosen und Behandlungen auf Infektionen.


Für eine bessere Bekämpfung von Infektionskrankheiten will die Bundesregierung bis zum Herbst dieses Jahres ein neues Infektionsschutzgesetz vorlegen. Das kündigte der beamtete Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit, Baldur Wagner, am Weltgesundheitstag im Bonner Wissenschaftszentrum an. Unter dem Motto "Alte und neue Infektionskrankheiten - die unterschätzte Gefahr" thematisierte der diesjährige Weltgesundheitstag die wachsende Bedrohung durch Infektionskrankheiten. Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz sollen künftig nicht nur Krankheiten, sondern auch deren Erreger und mögliche Infektionsquellen unter ärztliche Meldepflicht fallen. Wagner zufolge wird sich die Meldepflicht auf die wesentlichen Krankheiten beschränken.


Neu: Zentrales Meldesystem
Weiter sei geplant, alle Informationen über die Verbreitung von Infektionskrankheiten zentral zu bündeln und zu analysieren. Der Leiter der Gesundheitsabteilung, Ministerialdirektor im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Dr. jur. Rudolf Grupp, erklärte, das Robert Koch-Institut in Berlin werde ein bundesweites epidemiologisches Informationsnetz aufbauen. Im Infektionsschutz auf die Länderstrukturen der Nachkriegszeit zurückzugreifen sei ineffizient. Dr. Grupp: "Infektionen machen nicht an den Grenzen der Bundesländer halt." Für einen Ausbau der infektionsmedizinischen Lehre an den medizinischen Fakultäten sprach sich Prof. Dr. med. Hans Dieter Pohle, der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V., Berlin, aus. "Bisher läuft die Therapie hier eher autodidaktisch", klagte er. Die WHO will bis zum Jahr 2000 erreichen, daß in Europa keine einheimischen Fälle von Kinderlähmung, Diphtherie, Neugeborenentetanus, Masern, Mumps und Röteln mehr vorkommen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, gelte es, die Bundesbürger besser über Vorsorgemöglichkeiten aufzuklären. Die geringe Impfbeteiligung in Deutschland nannte Dr. Grupp besorgniserregend: Nur 30 Prozent der Erwachsenen seien ausreichend gegen Tetanus und Diphtherie geimpft. Die Impfbeteiligung bei Kindern gegen Masern, Mumps und Röteln liege zwischen 50 und 75 Prozent. Dr. Grupp sprach sich dennoch gegen eine gesetzliche Impfpflicht aus. Weiter sollten Antibiotika gezielter verschrieben werden, um die zunehmende Erregerresistenz einzudämmen.
In den letzten 25 Jahren seien weltweit mindestens 30 neue Krankheitserreger wie das Ebola-Virus oder der AIDS-Erreger identifiziert worden. Besiegt geglaubte Krankheiten kehrten wieder zurück: So wurden 1995 nach Angaben der Bundesvereinigung für Gesundheit fast 36 000 Diphtheriefälle in den GUS-Staaten registriert. Globaler Handel, Flüchtlingsströme sowie internationaler Flugverkehr erleichterten Länder und Kontinente übergreifende Infektionsausbreitungen. Josy Wübben

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