ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2008Traumatisierte Frauen: Gründe für Therapiewahl

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Traumatisierte Frauen: Gründe für Therapiewahl

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LNSLNS US-amerikanische Wissenschaftler wollten herausfinden, welche Therapie traumatisierte Frauen, die sich nicht in Therapie befanden, bevorzugen würden. Sie zeigten 74 Frauen Videos, in denen ein Therapeut sachlich über eine psychotherapeutische Behandlung mit verlängerter Exposition und über eine medikamentöse Behandlung mit Sertraline informierte. Anschließend wurden die Frauen befragt, welche Therapie sie wählen würden. „Die Mehrzahl der Frauen zog eine Psychotherapie dem Medikament vor“, so die Wissenschaftler. Zum einen lag dies am Wirkmechanismus: Die Frauen glaubten, dass ihre Probleme psychologischer Natur seien und daher auch nur eine psychologische Behandlung helfen könnte. Außerdem fürchteten sie sich vor Nebenwirkungen und einer Abhängigkeit vom Medikament. Sie unterstellten der medikamentösen Therapie, dass sie nur die Symptome, nicht aber die Ursachen beseitigen würde und dass sie damit nicht lernen könnten, mit ihren Problemen umzugehen. Zum anderen entsprachen die Methoden der Psychotherapie den Vorstellungen der Patientinnen davon, was in ihrem Fall effektiv wäre. Sie glaubten, dass es ihnen besonders helfen würde, wenn sie über ihre Erlebnisse sprechen und sich mit ihnen konfrontierten. Ein Medikament würde hingegen ihrem Bedürfnis, sich mitzuteilen, nicht entgegenkommen. Es gab aber auch einige Patientinnen, die beide Therapieformen ablehnten, weil sie negative Folgen befürchteten oder mit Außenstehenden nicht über ihre Probleme reden wollten. ms

Angelo F, Miller H, Zoellner L, Feeny N: I need to talk about it: A qualitative analysis of trauma-exposed women’s reasons for treatment choice. Behavior Therapy 2008; 1: 13–21.
Lori Zoellner, Department of Psychology, University of Washington, Box 351525, Seattle, WA 98195–1525, USA, E-Mail: zoellner@u.washington.edu

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