ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2008Depressive Störungen: Bedeutung genetischer Faktoren

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Depressive Störungen: Bedeutung genetischer Faktoren

PP 7, Ausgabe August 2008, Seite 371

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LNSLNS Die Ätiologie depressiver Störungen wird heute auf multiple, teilweise interagierende Faktoren zurückgeführt, unter anderem auf genetische Prädispositionen und Gen-Umwelt-Interaktionen. Der Einfluss der Gene zeigt sich in einer familiären Häufung. So haben beispielsweise Verwandte depressiver Patienten ein etwa drei- bis fünffach erhöhtes Risiko, selbst an einer Depression zu erkranken. Familienstudien haben außerdem gezeigt, dass der Schweregrad und das Ersterkrankungsalter das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Auch Zwillingsstudien geben Aufschluss über die Bedeutung genetischer Faktoren. Aus Zwillingsstudien weiß man beispielsweise, dass die Heritabilität bipolarer Erkrankungen deutlich höher ist als bei unipolaren Erkrankungen. Daneben darf die Gen-Umwelt-Interaktion nicht vernachlässigt werden. So haben Kinder depressiver Eltern nicht nur ein erhöhtes genetisches Erkrankungsrisiko, sondern wachsen oft auch unter schwierigen Bedingungen auf, die sich zum Beispiel aus einem passiven, vernachlässigenden und abweisenden Interaktionsstil depressiver Eltern ergeben. Darüber hinaus können auch Traumatisierungen oder stark belastende Ereignisse zu depressiven Erkrankungen führen. Allerdings gibt es einige protektive Faktoren, die negative Gen-Umwelt-Einflüsse abmildern können, etwa unterstützende Bezugspersonen. ms

Schulte-Körne G, Allgaier A-K: Genetik depressiver Störungen. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2008; 36(1): 27–43.
Prof. Dr. med. Gerd Schulte-Körne, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Klinikum der Universität München, Pettenkoferstraße 8 a, 80336 München
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