ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2008FrühSchwangerschaft: Stress als Schizophrenierisiko

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FrühSchwangerschaft: Stress als Schizophrenierisiko

PP 7, Ausgabe August 2008, Seite 371

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Schwangere, die im ersten Trimenon einen engen Angehörigen verlieren, bekommen einer bevölkerungsbasierten Studie zufolge häufiger Kinder, die später an einer Schizophrenie erkranken. Es ging Ali Khashan von der Universität Manchester in der Studie um den Nachweis, dass schwere psychische Belastungen in der Schwangerschaft sich negativ auf die Hirnentwicklung der Feten auswirken. Er konnte seine Hypothese in Dänemark überprüfen. Dort werden epidemiologische Studien durch registerübergreifende einheitliche Kennnummern der Bevölkerung erleichtert. So konnte Khashan aus dem Geburtenregister herausfinden, ob eine der 1,38 Millionen Frauen, die zwischen 1973 und 1995 ein Kind gebaren, vor oder während der Schwangerschaft einen engen Angehörigen verloren hatte, was dem nationalen Sterberegister gemeldet wurde.

Die psychischen Erkrankungen der Kinder im späteren Jugend- und Erwachsenenalter wurden in einer dritten Datenbank, dem Central Psychiatric Register, festgehalten. Die Analyse ergab, dass der Verlust eines engen Angehörigen das Risiko, bei dem betreffenden Kind eine Schizophrenie zu diagnostizieren um 67 Prozent erhöht. Die Gefahr bestand allerdings nur bei einem Verlust im ersten Trimenon, nicht jedoch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft oder vor der Schwangerschaft.
Dieses enge zeitliche Fenster unterstützt nach Ansicht von Khashan die Hypothese, wonach „chemische Signale“, die durch die Stressreaktionen im Gehirn (etwa über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse) freigesetzt werden, die Entwicklung des Kindes schädigen können. Ein solcher Einfluss sei auf die Frühschwangerschaft beschränkt, weil zu diesem Zeitpunkt die plazentare Barriere zwischen Mutter und Kind noch nicht ausgereift sei. Sollte die Hypothese zutreffen, so würde sie sicherlich nur einen geringen Teil der Erkrankungen an der Schizophrenie erklären, die nach Ansicht von Experten auch eine starke genetische Komponente hat, was andere Umwelteinflüsse nicht ausschließt. rme

Khashan AS et al: Higher Risk of Offspring Schizophrenia Following Antenatal Maternal Exposure to Severe Adverse Life Events. Arch Gen Psychiatry 2008; 65(2): 146–52.
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