ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2008Säuglinge und Kleinkinder: Klarifizierung eines komplexen Gebiets

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Säuglinge und Kleinkinder: Klarifizierung eines komplexen Gebiets

PP 7, Ausgabe August 2008, Seite 372

Röpke, Christine

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Als Ergebnis der jahrelangen Arbeit von Kollegen, die von der Vereinigung der analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP) finanziell gefördert und durch die Zusammenarbeit mit dem Institut für Kooperationsforschung und Familientherapie an der Universität Heidelberg unterstützt wurden, ist eine komprimierte historische, theoretisch-konzeptionelle und methodisch-behandlungstechnische Zusammenschau gelungen.

Das Buch ist in drei Teile untergliedert: Im ersten Abschnitt gibt Windaus einen präzisen Überblick über die Konzepte der psychoanalytischen Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie. Beginnend 1924 mit Sigmund Freud, Bernfeld, Fries und Anna Freud über Bick, Klein, Bowlby, Mahler, Spitz, Winnicott kommt er zu den durch die moderne Objektbeziehungstheorie und Säuglingsforschung auch veränderten Auffassungen psychoanalytischer Störungs- und Entwicklungsmodelle im Säuglings- und Kleinkindalter. Das Kapitel Psychoanalytische Behandlungskonzepte beschreibt im Detail – auch mithilfe von Fallbeispielen – die notwendigen Modifikationen der psychoanalytischen Interventionstechnik, die die Arbeit mit diesen besonders sensiblen Patienten erfordert. Sie ergeben sich aus der Verknüpfung der feinsinnigen Wahrnehmung intrapsychischer Prozesse und unbewusster Fantasien mit dem beobachtbaren Interaktionsgeschehen.

In welcher Weise die Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie aufgrund des engen und empfindlichen Zusammenspiels von Körper und Seele sowie der unvergleichlichen psychischen Umstellungssituation von Mutter, Vater und auch der Paarbeziehung sowohl eine spezifische Diagnostik als auch eine besondere Behandlungstechnik benötigt, zeigt das zweite Kapitel ausführlich. Die Leitlinie „Regulationsstörungen, psychische und psychosomatische Störungen im Säuglings- und frühen Kleinkindalter“ führt von der ICD-10-Klassifikation ausgehend über eine differenzierte Aufschlüsselung der Symptomatik und Ätiologie – aufseiten der Eltern, des Kindes, des Paares und der psychosozialen Umstände – sowie psychoanalytischer Diagnostik hin zu Indikationsstellung und den präzise und überschaubar beschriebenen Behandlungsessentials.

Das Manual zur psychoanalytischen Behandlung von Regulationsstörungen, psychischen und psychosomatischen Störungen bei Säuglingen und Kleinkindern unter Verwendung des Fokuskonzepts bildet den dritten, umfangreichsten Teil des Buchs. Neben einer allgemeinen Einführung in das Behandlungskonzept der Säuglings-ElternTherapie bekommt man durch die beschriebene Anwendung des Fokuskonzepts ein Strukturierungsschema an die Hand, um den aktualisierten Eltern-Kind-Konflikt präzise herauszuarbeiten aus dem Zusammenspiel der jeweiligen Struktur- und Konfliktdynamik der Mutter, des Vaters, des Therapeuten sowie den Präkonzepten, den frühen Abwehrformen und den Affekt- und Beziehungsinduktionen des Säuglings. Diese Technik wird beispielhaft an vielen interessanten Säuglings- und Kleinkindtherapien detailgenau durchdekliniert.

Insgesamt gelingt diesem Buch eine hervorragende, differenzierende, durch zahlreiche Studien belegte Klarifizierung des überaus komplizierten, oft schwer zu erfassenden und verbalisierbaren, weil auf allen Ebenen von archaischen, noch nicht symbolisierten und schwer symbolisierbaren Gefühlszuständen geprägten Anwendungsgebiets der Psychotherapie. Es kann damit durchaus auch sehr informativ für Kinderärzte und Kinderpsychiater sein, die in psychoanalytisch und tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Praxen überweisen. Christine Röpke

Manfred Cierpka, Eberhard Windaus (Hrsg.): Psychoanalytische Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie. Konzepte – Leitlinien – Manual. Schriften zur Psychotherapie und Psychoanalyse von Kindern und Jugendlichen, Band 13. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main, 2007, 216 Seiten, kartoniert, 19,90 Euro
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