ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2008Dissoziative Störungen: Brücken statt Trennung

BÜCHER

Dissoziative Störungen: Brücken statt Trennung

PP 7, Ausgabe August 2008, Seite 374

Breitenbach, Gaby

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LNSLNS Mit großer Sachkompetenz, vielfältigen Bezugnahmen auf Forschungsliteratur und Behandlungspraxis legen die Autoren ein Diagnose- und Behandlungskonzept für dissoziative Störungen vor.

Im ersten Teil des Buchs gehen sie auf das Dissoziationskonzept und die Symptombeschreibungen von Janet ein sowie vor allem auf das Modell von Myers: Er beschreibt die Aufspaltungen der Persönlichkeit bei Trauma in ANP(Anscheinend normale Persönlichkeit)- und EP(Emotionale Persönlichkeit)-Anteile und unterscheidet hinsichtlich primärer, sekundärer und tertiärer Dissoziation.

Der zweite Teil widmet sich vor allem der an Janet orientierten Psychologie des Handelns und beschäftigt sich mit den Grenzen der Integrationsmöglichkeiten bei hochdissoziativen Menschen, vor allem, wenn diese von allein gelingen soll. Die Autoren beschreiben eindrücklich Stolpersteine für die Behandlung: So kann eine Synthese misslingen oder die strukturelle Dissoziation über Phobien weiter aufrechterhalten bleiben. Hilfreich sind die vielen Beispiele, die verstehen helfen, dass mancher vermeintliche Behandlungswiderstand sich zum Beispiel als Aufrechterhaltung eines Überlebensmechanismus verstehen ließe. Das ist ein besonderer Verdienst dieses Buchs: Wenn es gelingt zu verstehen, dass der andere, so anders er sein mag, gute Gründe haben kann, so zu handeln – dann werden Brücken möglich, wo zuvor Trennung war.

Im dritten Teil widmet sich das Buch der Behandlung der chronischen Traumatisierung. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Frage, wie die Adaption an veränderte Lebensrealitäten in sinnvoller Weise gefördert werden kann und wie die Grundvoraussetzungen dafür geschaffen werden können. So müssen diese Menschen lernen, sich auf Bindung einzulassen, ihre Angst vor Verlust von Bindung zu überwinden, in (neuen und ungewohnten) Handlungen Risiken einzugehen, sich mit Anteilen zu befassen, die sie zunächst vordergründig nicht akzeptieren können und nicht zuletzt, die traumatischen Erinnerungen als Teil der eigenen Lebensrealität zu integrieren. Fazit: sehr empfehlenswert. Gaby Breitenbach

Onno van der Hart, Ellert R. Nijenhuis, Kathy Steele: Das verfolgte Selbst. Strukturelle Dissoziation und die Behandlung chronischer Traumatisierung. Junfermann, Paderborn, 2008, 450 Seiten, kartoniert, 39 Euro
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