ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2008Medizinische Rehabilitation: Aufwärtstrend setzt sich fort

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Medizinische Rehabilitation: Aufwärtstrend setzt sich fort

Dtsch Arztebl 2008; 105(33): A-1718 / B-1484 / C-1452

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Die Zahl der Rehabehandlungen zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung ist 2007 weiter gestiegen. Immer mehr Behandlungen finden als Anschlussrehabilitation statt. Die ambulante Reha boomt.

Die medizinische Rehabilitation scheint ihre Krisenzeiten überwunden zu haben. Nachdem die Spargesetzgebung Ende der 90er-Jahre zu einem dramatischen Einbruch geführt hatte, hat sich die Lage mittlerweile deutlich entspannt. 2007 ist die Zahl der Rehabilitationsbehandlungen zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung erneut gestiegen. Von rund 1,5 Millionen Anträgen wurden 999 000 bewilligt (Grafik 2). Die Rentenversicherungsträger gaben im vergangenen Jahr rund 3,7 Milliarden Euro für medizinische Rehabilitationsleistungen aus (2006: 3,6 Milliarden Euro). „Der Zuwachs spiegelt den steigenden Bedarf an Rehabilitation wider“, erklärte Dr. med. Christiane Korsukéwitz, Leiterin des Geschäftsbereichs Sozialmedizin und Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Für die kommenden Jahre gehe die Rentenversicherung von einem weiteren Anstieg der Rehabehandlungen aus; Korsukéwitz rechnet mit einem Zuwachs von neun Prozent bis 2011.

Verantwortlich für den Aufwärtstrend sind mehrere Faktoren. Dazu zählt Korsukéwitz unter anderem die Entwicklung hin zu einer längeren Lebensarbeitszeit. Diese sei schon heute spürbar. So sei beispielsweise die Zahl der Frühverrentungen deutlich zurückgegangen. Mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters werde die Rehabilitation künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. Den aktuellen Anstieg der Rehaleistungen führt Korsukéwitz aber auch auf die gute Konjunktur zurück. „Wenn jemand in einem sicheren Beschäftigungsverhältnis steht, dann beantragt er vermutlich eher eine notwendige Rehabilitation, als wenn er Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss.“ Außerdem habe sich die DRV in den vergangenen Jahren dafür engagiert, die Rehabilitationsangebote bekannter zu machen. Der Einsatz der Rentenversicherung für mehr Qualität und Effizienz habe zu einer steigenden Akzeptanz der medizinischen Rehabilitation geführt.

Es gibt zwei Trends in der Rehabilitation: Immer mehr Behandlungen finden als Anschlussrehabilitation (AHB) statt, und die ambulante Reha legt immer weiter zu (Grafik 1). Die Anschlussrehabilitationen machen mittlerweile fast 30 Prozent aller Rehaleistungen aus. Es sei nicht abschließend geklärt, ob dieser Entwicklung eine intensivere Inanspruchnahme oder eine gestiegene Fallzahl im Akutsektor zugrunde liege, sagt Korsukéwitz. Denkbar, aber nicht bewiesen, sei ein Zusammenhang mit den kürzeren Verweildauern im akutstationären Bereich. In diesem Zusammenhang verwies Korsukéwitz auf die Redia-Studie der DRV, die sich mit den Auswirkungen der Fallpauschalen auf den Rehasektor beschäftigt und deren dritte Erfassungsphase bis Ende 2008 läuft.

Der Anteil von ambulanter Rehabilitation lag 2007 bei rund zehn Prozent. „Die ambulante Reha hat sich mit großer Dynamik entwickelt“, erläutert Korsukéwitz. Dies gelte besonders für Ballungsgebiete. Bei orthopädischen Indikationen erreiche der Anteil bis zu 30 Prozent, eine Steigerung auf bis zu 50 Prozent sei in diesem Bereich denkbar.

Bei der Verteilung nach Diagnosen hat sich seit Beginn der 90er-Jahre einiges verändert: Die Orthopädie war rückläufig, ebenso der Bereich Herz-Kreislauf. Der Anteil von onkologischen und psychischen Erkrankungen nahm zu. In den letzten Jahren haben sich die Zahlen aber auf einem relativ stabilen Niveau eingependelt: 2007 lagen die Orthopädie bei 34 Prozent (1991: 47 Prozent), die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei neun Prozent (13 Prozent) und die Diagnosegruppe Stoffwechsel/ Verdauung bei vier Prozent (sechs Prozent). Die Neubildungen machten 19 Prozent (neun Prozent) aus, die psychischen Erkankungen 18 Prozent (13 Prozent).
Dr. med. Birgit Hibbeler
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