ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2008Viktor von Weizsäcker: Neues entdecken, Neues schaffen

MEDIEN

Viktor von Weizsäcker: Neues entdecken, Neues schaffen

Dtsch Arztebl 2008; 105(33): A-1740 / B-1501 / C-1469

Bircher, Johannes

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Heute haben viele Menschen den Eindruck, dass in der Medizin nicht alles zum Besten steht. Obwohl sie im Prinzip so viel kann wie noch nie in der Geschichte der Menschheit, wird sie in den Kämpfen um die Ressourcenverteilung immer mehr zerrieben. Übermäßige Orientierung an der Naturwissenschaft, Kostensteigerungen, Ärztemangel und Neuregulierungen sind dafür nur Symptome. Es ist deshalb nicht überraschend, dass verantwortungsbewusste Ärzte immer wieder neu nach der Essenz der Medizin suchen. Das von Wilhelm Rimpau und Klaus Dörner herausgegebene Lesebuch gehört zu diesen Anstrengungen.

In einem Vorwort wird zunächst die Krise der Medizin charakterisiert und in einem zweiten das Leben und das Werk Viktor von Weizsäckers vorgestellt. Der Hauptteil besteht aus einigen zentralen Schriften des bedeutenden Arztes. Jedem Abschnitt ist eine Einleitung der Herausgeber vorangestellt. Auf diese Weise wird es dem Leser gut möglich, sich von der Denkweise von Weizsäckers ein Bild zu machen, ohne sich selbst durch sein riesiges Werk durcharbeiten zu müssen.

In der heutigen Zeit der großen technischen Errungenschaften in der Medizin ist das Entscheidende an diesem Buch, dass ein Arzt zu Wort kommt, der nicht nur gestörte körperliche Vorgänge diagnostiziert, sondern die Patienten bewusst auch als Menschen wahrnimmt. Von Weizsäcker betont, dass sich körperliche Störungen immer auf die ganze Person auswirken und sich die persönliche Betroffenheit eines Menschen in der Regel auch körperlich ausdrückt. Durch diese Betrachtungsweise wird die Praxis der Medizin zu einer faszinierenden Tätigkeit und jede Begegnung eines Arztes mit einem Patienten zur Möglichkeit, Neues zu entdecken und Neues zu schaffen. Die Medizin verliert dadurch den einseitigen Charakter einer naturwissenschaftlich orientierten Reparaturwerkstatt und erhält einzigartige menschliche Qualitäten.

Das Buch ist anregend und lesenswert für Studierende der Medizin und für Ärzte, die sich darum bemühen, ihre Patienten besser zu verstehen. Es ist immer wieder ermutigend, dass es Menschen wie Viktor von Weizsäcker gegeben hat, die uns zeigen, wie es nicht nur auf naturwissenschaftlicher, sondern auch auf der persönlichen Ebene möglich ist, Probleme von Patienten rational zu durchdenken und Patienten als Menschen zu begegnen. Johannes Bircher
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