ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2008Börsebius: Überraschendes Steuersparmodell

GELDANLAGE

Börsebius: Überraschendes Steuersparmodell

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Lebensversicherungen sind seit Generationen ein fester Bestandteil in der Vermögensplanung. Für die Assekuranzkonzerne verbirgt sich ein Milliardengeschäft dahinter, und aus der Sicht des Kunden steht dieses Produkt für ruhig schlafen, optimale Vorsorge im Alter, und im Auszahlungsfall winkt noch ein fettes finanzielles Polster.

Diese Werbelyrik weicht der Realität allzu oft in krassen Ausmaßen. Hinter vorgehaltener Hand geben die Versicherungskonzerne zu, dass praktisch jede zweite Kapitallebensversicherung ihr Bestimmungsziel verfehlt, will heißen, der Kunde kündigt irgendwann während der Laufzeit die Police. Manche Experten gehen sogar von noch höheren Auflösungsraten aus. Ein erstaunliches Ergebnis, wie ich finde.

Entweder sind die Policenverkäufer so unglaublich gut, die Werbung so überzeugend oder die Kunden einfach zu blauäugig, die monatlichen Belastungen auf Jahre hinaus zu stemmen. Wenn die Zahlen stimmen, woran ich nicht zweifle, führt sich im Grunde ein gut beleumundetes Produkt selbst ad absurdum. An der Realität gescheitert, Klassenziel verfehlt.

Die Gründe für das Scheitern eines Vertrags sind vielfältig. Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung, Krankheit oder Umschuldungsaktionen werden am häufigsten genannt. Die Not muss anscheinend immens sein, denn der Kündigende realisiert in der Regel einen herben Verlust, der Experten zufolge mindestens bei 50 Prozent, aber durchaus auch höher liegen kann, wie die Verbraucherzentrale Hamburg vorrechnete. Die Hanseaten ermittelten für 400 Policen eine Verlustquote von nahezu 70 Prozent. Der Beispielkunde kündigte 2004 eine Kapitallebensversicherung mit einem Rückkaufswert von 4 803,40 Euro. Eingezahlt hatte er jedoch 17 109,24 Euro.

Die Assekuranz begründet die Abschläge lapidar mit den entstandenen Kosten für die Vermittlung und Verwaltung des Vertrags. Wie groß muss demnach die Not des Klienten gewesen sein, den Verlust in Kauf zu nehmen, wie groß ist die finanzielle Klemme Millionen Versicherter, dass sie sich mit Kleckerbeträgen zufriedengeben müssen?

Nun „droht“ aber unversehens Hilfe vom Fiskus. Wenn ein Steuerzahler vor dem Jahr 2004 eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte und diese kündigte, so war bislang nach herrschender Meinung und gängiger Verwaltungspraxis eine steuerliche Geltendmachung des erlittenen Verlusts nicht möglich.

Diese Regel kommt offenbar ins Rutschen. Einige Finanzämter haben bereits Verluste aus der Kündigung von Lebensversicherungen als Werbungskosten anerkannt. Hier bahnt sich also ein völlig überraschendes Steuersparmodell an, und jeder Betroffene, der eine (bis 2004 abgeschlossene) Lebensversicherung vorzeitig gekündigt hat, tut gut daran, die Verluste vorsorglich in seine Steuererklärung aufzunehmen. So hilft am Ende Steinbrück, wenn auch wohl nur widerwillig.

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