ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2008Bekanntmachungen: Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie nach § 11 PsychThG - Ergänzung der Stellungnahme zur Psychodynamischen Psychotherapie vom 30. Juni 2008

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Bekanntmachungen: Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie nach § 11 PsychThG - Ergänzung der Stellungnahme zur Psychodynamischen Psychotherapie vom 30. Juni 2008

Dtsch Arztebl 2008; 105(33): A-1752 / B-1512 / C-1480

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LNSLNS Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie verabschiedete auf seiner Sitzung am 30. Juni 2008 die folgende Ergänzung zur Stellungnahme des Beirats zur Psychodynamischen Psychotherapie vom 11. November 2004.
In seiner Stellungnahme zur Psychodynamischen Psychotherapie vom 11. November 2004 hat der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie formuliert:

„Der WBP hat beschlossen, in seiner Stellungnahme Psychodynamische Psychotherapie als Oberbegriff für die tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapien und die psychoanalytischen Therapien zu verwenden. Die folgende Stellungnahme bezieht sich also auf die Psychodynamische Psychotherapie als ein Verfahren. Bei dieser Stellungnahme werden Langzeitbehandlungen (mehr als 100 Stunden) nicht berücksichtigt, da diese Behandlungsform besondere Forschungsfragen aufwirft, die in einer gesonderten Stellungnahme berücksichtigt werden sollen.“

Ferner heißt es in dem Abschnitt „Abschließende Hinweise“ der Stellungnahme:

„Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie stellt zusammenfassend fest, dass die Psychodynamische Psychotherapie bei Erwachsenen für Behandlungen in folgenden Anwendungsbereichen als wissenschaftlich anerkannt gelten kann: affektive Störungen, Angststörungen, Belastungsstörungen, dissoziative, Konversions- und somatoforme Störungen, Essstörungen, psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten, Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen, Abhängigkeit und Missbrauch sowie Schizophrenie und wahnhafte Störungen. Das gilt nicht für Langzeitbehandlungen ab 100 Stunden.“

Vor dem Hintergrund des am 22. November 2007 in Kraft getretenen Methodenpapiers ist die auf der Grundlage der Behandlungsdauer getroffene Einschränkung der wissenschaftlichen Anerkennung nicht mehr berechtigt.

Der Wissenschaftliche Beirat versteht seinen Prüfauftrag für psychotherapeutische Verfahren nicht dahingehend, dass die Wirksamkeit der einem Verfahren zuzuordnenden Methoden jeweils gesondert zu belegen ist. Dies gilt erst recht für Variationen der Behandlungsdauer.

Differenzierungen dieser Aspekte sind nicht Gegenstand einer allgemeinen Bewertung von Psychotherapieverfahren unter der Fragestellung der wissenschaftlichen Anerkennung eines Verfahrens, wie sie sich für den WBP aus dem Psychotherapeutengesetz als Auftrag ergibt.

Der Wissenschaftliche Beirat bewertet daher das Verfahren der Psychodynamischen Psychotherapie bei Erwachsenen insgesamt als Psychotherapieverfahren, dessen wissenschaftliche Anerkennung in den folgenden Anwendungsbereichen festgestellt werden kann: affektive Störungen, Angststörungen, Anpassungs- und Belastungsstörungen, dissoziative, Konversions- und somatoforme Störungen, Essstörungen, psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten, Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensstörungen, Abhängigkeit und Missbrauch sowie Schizophrenie und wahnhafte Störungen.

Damit wird das Kriterium, das vom Wissenschaftlichen Beirat für erforderlich gehalten wird, um ein Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach dem PsychThG zu empfehlen, deutlich erfüllt. Für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten wie auch für die ärztliche Weiterbildung gilt weiterhin die Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats, dass sich angesichts der Vielfalt der Methoden und Techniken der Psychodynamischen Psychotherapie die Aus- bzw. Weiterbildung in diesem Verfahren nicht auf einzelne Methoden oder Techniken beschränken darf.
Berlin, 30. Juni 2008

Prof. Dr. Dietmar Schulte (Vorsitzender)
Prof. Dr. Gerd Rudolf (Stellvertretender Vorsitzender)

Korrespondenzadressen: Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Klosterstraße 64, 10179 Berlin (Geschäftsführung des WBP der zweiten Amtsperiode)
Bundes­ärzte­kammer, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin
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