ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2008Ärztlicher Stellenmarkt: Oberärztinnen und Oberärzte besonders gesucht

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Ärztlicher Stellenmarkt: Oberärztinnen und Oberärzte besonders gesucht

Dtsch Arztebl 2008; 105(33): A-1753 / B-1513 / C-1481

Martin, Wolfgang

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Die entscheidenden Impulse für die weiter steigende Nachfrage nach Ärztinnen und Ärzten gehen nach wie vor von den Akutkrankenhäusern aus.

Für Fachärztinnen und Fachärzte wurden im Deutschen Ärzteblatt im ersten Halbjahr 2008 bereits so viele Stellenanzeigen geschaltet wie im gesamten Jahr 2004. Mit insgesamt 3 358 waren es zehn Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit bleibt der Nachfrageboom ungebrochen, auch wenn die Steigerungsrate nicht mehr ganz so hoch ist wie im Vorjahr. Allerdings verzeichnen nur noch die Akutkrankenhäuser (plus elf Prozent) und die Medizinischen Versorgungszentren (plus 25 Prozent) erneut deutliche Zuwachsraten. Die Nachfrage aus den Rehabilitationskliniken und von den Sozialversicherungsträgern stagniert hingegen auf hohem Niveau.

Die starke Zunahme der Anzahl von Medizinischen Versorgungszentren – inzwischen sind es bundesweit mehr als 1 000 – macht sich inzwischen auch auf dem Stellenmarkt bemerkbar. So stammen immerhin bereits vier Prozent der Stellenanzeigen für Fachärztinnen und Fachärzte aus diesen Einrichtungen. Die entscheidenden Impulse für die weiter steigende Nachfrage gehen jedoch nach wie vor von den Akutkrankenhäusern aus. Diese schrieben 15 Prozent mehr Oberarzt- und knapp zehn Prozent mehr Facharztpositionen aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, wohingegen die Zahl der Chefarztausschreibungen mit bisher 323 exakt so hoch ist wie in den ersten sechs Monaten 2007.

Die zunehmende Profilierung und Spezialisierung der Abteilungen vollzieht sich in den Akutkrankenhäusern personell vor allem auf der Oberarztebene. Dies gilt selbstverständlich auch und gerade für die großen Fachgebiete. Da dafür aber zu viele Krankenhäuser seit einiger Zeit die gleichen Spezialisten suchen, ist hier die Bewerberdecke inzwischen auch sehr dünn geworden. Positionen, die früher noch aus dem eigenen Nachwuchs oder über die guten Kontakte des Chefarztes besetzt werden konnten, müssen heute zwingend im Deutschen Ärzteblatt ausgeschrieben werden, oft sogar mehrfach. War dies in der Vergangenheit insbesondere ein Problem der Rehabilitationskliniken, trifft es jetzt auch für immer mehr Akutkrankenhäuser zu. Dies treibt die Zahl der Oberarztausschreibungen zusätzlich in die Höhe. In der Relation sieht das so aus:
Kamen vor fünf Jahren auf eine Chefarztausschreibung 2,4 Oberarztausschreibungen, waren es im vergangenen Jahr bereits 3,6.

In der Inneren Medizin wurden in diesem Jahr bisher 24 Prozent mehr Oberarztpositionen ausgeschrieben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, in der Chirurgie waren es sogar 31 Prozent. Dabei stellt sich in einigen Teilbereichen dieser Fächer die Bewerbersituation als ausgesprochen schwierig dar. Ganz besonders rasant hat sich im letzten halben Jahr die Nachfrage nach Gefäßchirurg(inn)en entwickelt: Hier wurden bisher 70 Prozent mehr Oberarztpositionen ausgeschrieben als im Vorjahr. Damit hat die Gefäßchirurgie sogar noch die Viszeralchirurgie überholt, die in den vergangenen beiden Jahren die wenigsten potenziellen Bewerber je Stellenausschreibung vorweisen konnte. In den Fachgebieten Viszeralchirurgie und Orthopädie/Unfallchirurgie ging die Nachfrage geringfügig zurück, hingegen konnten in der Inneren Medizin die Gastroenterologie und die Kardiologie nochmals leichte Zuwachsraten verbuchen und liefern sich weiterhin ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“, wobei die Führung im ersten Halbjahr wieder an die Kardiologie ging.

Dass auf der „einfachen“ Facharztebene die Bewerberdecke in kurzer Zeit so knapp geworden ist, hängt auch damit zusammen, dass seit dem endgültigen Inkrafttreten des Arbeitszeitgesetzes zum 1. Januar 2007 fast alle Krankenhäuser verstärkt frischgebackene Fachärztinnen und Fachärzte zur Auffüllung ihrer Stellenpläne suchen. Besonders augenfällig ist dies zurzeit in den Fachgebieten Anästhesiologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Radiologie, wo deutlich mehr Facharztpositionen ausgeschrieben wurden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Profitierten im letzten Jahr alle Fachgebiete von der weiter steigenden Nachfrage, stellt sich die Situation in der ersten Hälfte des laufenden Jahres etwas differenzierter dar. Es gibt durchaus Fachgebiete, in denen die Nachfrage leicht zurückging (Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin) oder stagnierte (Psychiatrie und Psychotherapie). Hier von einer beginnenden Trendwende zu sprechen, wäre allerdings mehr als verfrüht. Es ist zu berücksichtigen, dass sich die Nachfrage generell bereits auf einem sehr hohen Niveau befindet, sodass geringe Schwankungen im Bereich des Normalen liegen. Überdurchschnittliche Zuwachsraten allerdings verzeichneten die Fachgebiete Radiologie (plus 13 Prozent), Anästhesiologie (plus 20 Prozent), Kardiologie (plus 23 Prozent) und Neurologie (plus 25 Prozent). Und auch für Chirurgen ohne Schwerpunktbezeichnung stieg die Zahl der Stellenausschreibungen um ein Drittel.

Eine außergewöhnlich starke Nachfragebelebung verzeichnen zurzeit einige „kleinere“ Fachgebiete, die traditionell im Stellenmarkt Deutsches Ärzteblatt eher unterrepräsentiert sind. Dies hängt damit zusammen, dass sich die entsprechenden Fachärztinnen und Fachärzte untereinander gut kennen und hier viele Positionen, gerade auf der Oberarztebene, in sehr großem Maß über informelle Kanäle besetzt werden (weit stärker als dies beispielsweise in der Chirurgie oder Inneren Medizin der Fall ist). Dass diese Fachgebiete jetzt stärker im Anzeigenteil vertreten sind, ist ein deutliches Indiz dafür, dass auch hier die Bewerberdecke inzwischen so dünn ist, dass die informellen Kanäle bei Stellenbesetzungen nicht mehr ausreichen. So wurden in der HNO-Heilkunde bisher 44 statt 25 Stellenanzeigen gezählt, in der Strahlentherapie 25 statt 17 und in der Nuklearmedizin 20 statt 14.
Dr. Wolfgang Martin
E-Mail: mainmedico@t-online.de
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