POLITIK

3 Fragen an… Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Dtsch Arztebl 2008; 105(34-35): A-1768 / B-1527 / C-1495

Gerst, Thomas

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Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Die Umfrage zeigt, dass gesetzlich Versicherte länger auf einen Termin warten als Privatversicherte. Wie bewerten Sie das?

Köhler: Einige Politiker nutzen diese Unterschiede dazu, eine vermeintliche Zweiklassenmedizin anzuprangern und eine Angleichung der Versicherungen zu fordern. Dazu muss man aber erst einmal fragen: Woher kommen diese Unterschiede? Die Antwort liegt auf der Hand: Privatversicherte sind für die meisten Praxen überlebensnotwendig, weil es dort keine Budgets gibt und die Vergütung in der Regel besser ist. Sie werden daher bevorzugt mit Terminen versorgt.

Ich fände es völlig falsch, die schlechteren Konditionen der GKV auf alle zu übertragen. Der gegenteilige Weg – eine bessere vertragsärztliche Vergütung bei gesetzlich Versicherten und die Abschaffung der Budgets – ist der richtige! Zudem wirft niemand den Vertragsärzten vor, dass sie gesetzlich Versicherte schlechter behandeln als Privatversicherte. Die Unterschiede bestehen ausschließlich in der Servicequalität.

Wie beurteilen die Versicherten die Auswirkungen der Gesundheitsreform?

Köhler: Die Befragung lässt erkennen, dass sich die Versorgungslage gegenüber dem Jahr 2006 noch nicht nachhaltig verändert hat. Die Zufriedenheit ist nach wie vor insgesamt hoch. Die Auswirkungen der Gesundheitsreform beginnen erst zu greifen; noch spüren die Versicherten nur in geringem Umfang, was sich wie ändert. Dies gilt insbesondere für die Hausarzttarife. Versicherte, die damit bereits heute Erfahrungen gesammelt haben, befinden sich in Tarifen, die im Kollektivvertrag eingebettet sind und nicht bereinigt werden. Das wird sich allerdings in Kürze deutlich ändern: Der Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung in Baden-Württemberg ist nur der Vorbote.

Sie haben die Versicherten auch nach ihren Erfahrungen mit der Substitution von Medikamenten befragt – mit welchem Ergebnis?

Köhler: Unter den Betroffenen haben 74 Prozent keinen Unterschied in der Wirkung festgestellt, 15 Prozent sagen, das neue Medikament habe schlechter gewirkt, und ein Prozent geht von einer besseren Wirkung aus. Zehn Prozent konnten diese Frage nicht beantworten. Die überwiegende Mehrheit hat kein Problem mit der Aut-idem-Regelung. Aber es gibt die fünf Prozent der Befragten, die aufgrund der Substitution ihr Medikament nicht wie vorgesehen eingenommen haben. Obwohl es nur wenige sind, die durch die neuen Regelungen ein neues Medikament bekommen, es aber nicht einnehmen, zeigt sich, dass es gelegentlich Versorgungsschwierigkeiten gibt. Das sollte den Verantwortlichen zu denken geben! Hier sind innovative Lösungen zur Verbesserung der Compliance zu entwickeln.
Die Fragen stellte Thomas Gerst.
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