SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Bericht

Dtsch Arztebl 2008; 105(34-35): [140]

Böhmeke, Thomas

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Wie die meisten von uns bin ich Rechtshänder, und deswegen gehorcht mir die rechte Hand naturgemäß auch besser als die linke. In früheren Zeiten, als man noch handschriftlich rezeptierte, fiel das niemandem nachteilhaft auf. Im Zeitalter der Computerologie macht sich dieser kleine Unterschied allerdings störend bemerkbar, weil man sich diesen Dingern, also den PCs, nun mal über die Tastatur mitteilen muss. Die Buchstaben „G-O-Ä“ gehen einem einfach flüssiger durch die Finger als beispielsweise „R-e-g-r-e-s-s“, die sich häufiger verheddern, weil überwiegend links getippelt. Und mit der Berichtspflicht ist meine Linke nun vollends gefordert, kann weder Schwerbehinderung noch Ausbildungsnachteile für sich geltend machen. Ich pflege eine Eskalation der Ermahnungen, wenn sie sich im Alltagsstress zu häuvig fertippt. Schließlich steht man als Arzt dermaßen unter Druck, dass man sich eine lässige Linke nicht erlauben kann. Ich versuche es zunächst mit einem ermahnenden, dann bösen Blick, aber dies fruchtet in der Regel überhaupd nixhts. Weitaus wirkungsvoller ist ein Klaps mit der Rechten *Klatsch* auf den Handrücken der Linken. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich bin gegen die Prügelstrafe und durch und durch ein Pazifist. Sie mögen mir das bitte als Residuum meiner Anamnese durchgehen lassen, ich war zu Beginn meiner Gymnasialzeit ein Jahr in einem Internat, dessen Leitung noch der Prügelstrafe frönte. Dieses edukative Vorgehen ist glücklicherweise nicht mehr Erziehungsstandard und wird entsprechend auch von der Patientin bemängelt, für die ich gerade einen Bericht zu erstellen habe. „Herr Doktor, wie können Sie nur!“ Ich versuche ihr zu erklären, dass im Zeitalter des blitzschnellen Berichtszwangs mir nichts anderes übrig bleibt, die Rechte quasi als McKinsey der Linken und Strafvollzug in einem einzusetzen. Das wäre halt so in der heutigen Medizin, wir Ärzte müssen halt mit allen Mitteln das Maximale aus uns herausholen, sonst würde halt nicht nur der Bericht auf der Strecke bleiben . . . sie müsse mir meine Rechte als Teilchenbeschleuniger der Linken durchgehen lassen, die im Endeffekt durchaus geeignet ist, die heutige Magermedizin doch noch zu kompensieren . . . die Zeiten würden halt strenger werden, da müsste man auch mal hart gegen sich selbst sein . . . „Aber Herr Doktor, Sie könnten doch zu Papier und Kugelschreiber greifen, anstatt sich zu hauen!“
Das würde in einem Gemetzel enden. Ärzte können schließlich nur unleserlich schreiben.

Dr. med. Thomas Böhmeke ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.
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