ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2008Gleichgeschlechtliche Organtransplantation?

AKTUELL: Akut

Gleichgeschlechtliche Organtransplantation?

Dtsch Arztebl 2008; 105(34-35): A-1760 / B-1520 / C-1488

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LNSLNS Das Geschlecht von Spender und Empfänger spielt bei der Nierentransplantation eine größere Rolle als bisher angenommen. Weibliche Spendernieren arbeiten bei Männern – mangels Masse – nicht so gut. Frauen haben ein höheres Risiko, eine männliche Spenderniere abzustoßen. Daher sollte in Zukunft das Geschlecht bei der Zuteilung von Spenderorganen mehr berücksichtigt werden, fordern Wissenschaftler aus Basel und Heidelberg im Fachmagazin Lancet (2008; 372: 49–53).

Diese Ergebnisse beruhen auf Auswertungen der „Collaborative Transplant Study“, der weltweit größten Datenbank mit Langzeitergebnissen von Organtransplantationen unter Federführung von Prof. Dr. med. Gerhard Opelz. Der Heidelberger Wissenschaftler und Prof. Dr. Alois Gratwohl (Universitätsspital Basel) analysierten die Daten von nahezu 200 000 Organempfängern, denen zwischen 1985 und 2004 eine neue Niere transplantiert worden war. Insgesamt war die Transplantation einer weiblichen Niere seltener erfolgreich als die einer männlichen Niere. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Frauennieren aufgrund ihrer geringeren Größe weniger Nephrone besitzen.

Immunfunktionen weiter untersuchen
Immunologische Abstoßungsprobleme traten am häufigsten auf, wenn Frauen eine männliche Spenderniere erhalten hatten: Bei ihnen war das Risiko, dass das Organ wieder abgestoßen wurde, im ersten Jahr nach der Operation um elf Prozent höher als bei anderen Spender-Empfänger-Kombinationen. Und auch zwischen zwei und zehn Jahren nach der Operation lag das Risiko einer Abstoßung noch um zehn Prozent höher als in den übrigen Gruppen. „Die höhere Abstoßungsrate ist aller Wahrscheinlichkeit durch das geschlechtsspezifische Y-Chromosom der Männer begründet“, erklärt Opelz. Künftig sollte deshalb auch das Geschlecht berücksichtigt werden, wenn eine Entscheidung über die Vergabe eines Organs an einen Patienten getroffen wird. Allerdings wird das höhere Risiko der Abstoßung bei Frauen durch den Mehr-Nephrone-Effekt einer männlichen Niere wieder teilweise kompensiert, sodass weibliche Empfänger männlicher Nieren im Durchschnitt nicht wesentlich schlechtere Gesamtergebnisse aufweisen.

Immunfunktionen, die mit dem Y-Chromosom zusammenhängen und zur Abstoßung von Organen führen können, sollten in Zukunft genauer untersucht werden, betont Connie L. Davis (Universität Washington in Seattle, USA) im begleitenden Editorial. EB
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