ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2008Arztbild der Zukunft: Widerspruch
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Diese These des Deutschen Krankenhaus-Instituts darf nicht unwidersprochen bleiben:

1. Schmerztherapie ist traditionell interdisziplinär und interprofessionell. In dieser Hinsicht könnte die Organisation der Schmerztherapie als Vorbild für andere interdisziplinäre Themen dienen.

2. Akutschmerzteams vereinen typischerweise Ärzte der Anästhesiologie und der operativen Fächer mit Angehörigen des Pflegepersonals. Garanten des Erfolgs sind dabei a) die Auswahl, Einleitung und Beendigung des Verfahrens durch den verantwortlichen Arzt und b) die Delegation definierter Aufgaben der Überwachung, Fortsetzung und begrenzten Anpassung der Verfahren durch speziell geschultes Pflegepersonal.

­3. Spezielle Schmerztherapie chronischer Schmerzen im ambulanten wie stationären Bereich basiert auf der institutionalisierten Kooperation von Ärzten/Zahnärzten verschiedener Fachrichtungen, Psychologischen Psychotherapeuten, Physiotherapeuten und anderen Professionen. Die Leistungsfähigkeit dieser Einrichtungen basiert auf einer integrativen Teamstruktur, in die speziell weitergebildete Fachärzte eingebunden sind.

4. Aus diesen Erfahrungen zu folgern, dass die ärztliche Kompetenz im Schmerzmanagement verzichtbar sein könnte, ist völlig verfehlt. Alle anerkannten Kriterien für den Arztvorbehalt in der medizinischen Versorgung treffen für das Schmerzmanagement zu:
a) müssen schwierige differenzialdiagnostische Entscheidungen getroffen werden (Schmerz als Warnzeichen einer Komplikation oder Tumorprogression vs. Chronifizierung durch Lernprozesse)
b) werden potenziell gefährliche Behandlungen eingesetzt (Medikamente wie Coxibe, Antidepressiva, Antiepileptika, Opioide und invasive Verfahren wie rückenmarksnahe Katheter).

5. Allein aus juristischen Gründen (Betäubungs­mittel­verschreibungs­verordnung, invasive oder operative Verfahren) sind Ärztinnen und Ärzte aus dem Schmerzmanagement nicht wegzudenken, und ihnen obliegt auch die Haftungs- und Budgetverantwortung.

Wir fordern das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, die Bundes­ärzte­kammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Kostenträger auf, den Irrweg eines nicht ärztlich koordinierten Schmerzmanagements nicht zu beschreiten, sondern stattdessen die von den Fachvertretern bereits vorbereiteten und auf lokaler Ebene funktionsfähigen Strukturen der qualitätsgesicherten interdisziplinären und interprofessionellen Schmerztherapie bundesweit verfügbar zu machen.

Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), Lehrstuhl für Neurophysiologie,
Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Ludolf-Krehl-Straße 13–17, 68167 Mannheim
Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Schmerztherapie e.V. (DGS), Schillerplatz 8/1, 73033 Göppingen
Dr. Reinhard Thoma, Präsident des Berufsverbandes der Schmerztherapeuten in Deutschland e.V. (BVSD), Benedictus Krankenhaus Tutzing GmbH & Co. KG, Bahnhofstraße 5, 82327 Tutzing
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