ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2008Statistik: Überzeugende Gradlinigkeit

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Statistik: Überzeugende Gradlinigkeit

Dtsch Arztebl 2008; 105(34-35): A-1791 / B-1546 / C-1514

Schmidt, Karl-Heinz

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Jürgen Bortz, Gustav A. Lienert: Kurzgefasste Statistik für die klinische Forschung. 3. Auflage, Springer, Berlin, 2008, 458 Seiten, gebunden, 39,95 Euro
Jürgen Bortz, Gustav A. Lienert: Kurzgefasste Statistik für die klinische Forschung. 3. Auflage, Springer, Berlin, 2008, 458 Seiten, gebunden, 39,95 Euro
Hamburg, Alexander-Fleming-Straße 20, zweiter Stock, Wohnzimmer. Mein Neffe würfelt jetzt bereits die fünfte Sechs hintereinander, und obwohl das Spiel „Mensch ärgere Dich nicht“ heißt, verliere ich nicht gern. Vermutlich hat sich der clevere kleine Racker im Internet ein paar Trickwürfel besorgt, die er jetzt bei passender Gelegenheit einsetzt, um seinen Onkel beim Zocken zu demütigen. Außerdem geht es um ein Eis, es steht also einiges auf dem Spiel. Bevor ich aber haltlose Beschuldigungen von mir gebe, wäre ein kleiner Signifikanztest nicht schlecht. Dann hätte man immerhin die Mathematik auf seiner Seite. Wo findet man so was?

Der „kleine Bortz“ hilft. Zuerst wird dem Leser mit nachvollziehbaren Beispielen die Grundidee der Wahrscheinlichkeitstheorie nahe- gebracht, angefangen beim Münzwurf. Dann wird die Zielsetzung der Hypothesenprüfung dargestellt: Das Ergebnis „Kopf“ hat eine Quote von eins zu eins (Nullhypothese). Die Alternativhypothese ist, dass es sich um eine Trickmünze handelt, die beim Münzwurf weit öfter „Kopf“ als „Zahl“ zeigt. Wie groß muss die Stichprobe sein, damit das Ergebnis aussagekräftig ist (Signifikanz), und was bedeutet das genau? Welche Größenordnung wäre optimal?

Diese Fragen und noch mehr werden im „kleinen Bortz“ ausführlich behandelt. In übersichtlichen Kapiteln werden für vielfältige Testformate (etwa mehrdimensional, mit Rangplätzen, mit bekannter Verteilung oder verteilungsfrei) die Signifikanztests vorgestellt, immer mit Beispiel. Ferner werden auch die einzelnen Tests untereinander in Beziehung gebracht, und die Testwahl wird dadurch erheblich transparenter gemacht. Dabei lassen die Autoren zu keinem Zeitpunkt die mathematische Stringenz bei der Testdurchführung außer Acht. Aber keine Angst: Es werden keine Beweise ausgeschrieben, vielmehr wird das Gewicht auf die Anwendung gelegt. Im Anhang findet man nützliche Tabellen, welche die Durchführung der Tests auch ohne entsprechende Software ermöglichen. Zur besseren Übersicht sind die Tests nach Typen sortiert tabellarisch aufgelistet, was das Finden des passenden deutlich erleichtert. Alles in allem ein hervorragendes Nachschlagewerk, das durch seine Gradlinigkeit überzeugt.

Ob mein Neffe jetzt wirklich geschummelt hat, wollen Sie wissen? Tja, rechnen Sie es doch nach. Wo Sie eine Anleitung finden, wissen Sie ja jetzt. Ich hatte viel Spaß beim Eisessen und bringe demnächst meine eigenen Würfel mit.
Karl-Heinz Schmidt
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