ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2008Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation: Spender umfassend aufklären

MEDIZIN: Diskussion

Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation: Spender umfassend aufklären

Chances and Risks in Living Donor Liver Transplantation: Comprehensive Information for Prospective Donors

Dtsch Arztebl 2008; 105(36): 615; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0615a

Eigler, Friedrich Wilhelm

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LNSLNS Die Autoren empfehlen geeigneten Empfängern und ihren Familien die Leber-Lebendspende-Transplantation als Alternative anzubieten. Deshalb sei auf zwei Probleme hingewiesen, die nicht angemessen beziehungsweise gar nicht angesprochen werden.

Hinsichtlich des Todesrisikos des Spenders berichten die Autoren von zehn frühen und drei späten Todesfällen nach Leber-Lebendspende, und errechnen daraus nach circa 6 000 entsprechenden Operationen weltweit Prozentsätze unter 0,5 %. Mangels einer Berichtspflicht über negative Ergebnisse sind die Zahlen nur als untere Grenze anzusehen. Deshalb hätte man gern die aktuellen Zahlen für Deutschland gewusst. Darüber hinaus sollte, angesichts chronischer Verläufe nach Gallengangsverletzungen, der Erfassungszeitraum der Spättodesfälle definiert werden. Da Spendenwillige kaum auf Todeszahlen unter 1,0 % negativ reagieren, ist die Angabe der Letalitätsrate weniger eine praktische Frage als eine Frage der Redlichkeit.

Wichtiger für den Spender ist allerdings das ungelöste Versicherungsproblem jenseits der mit der Leberteilspende im Zusammenhang stehenden Operations- und Krankenhauskosten. Dank der guten Regenerationskraft der Leber sind zwar bei komplikationslosem Primärverlauf kaum gravierende gesundheitliche Schäden zu erwarten. Dennoch ist jeder Spender als Operierter zu bezeichnen und muss dies bei wichtigen Auskünften zur Anstellung, für Darlehensanträge und dergleichen angeben. Solange man in der Unfallbegutachtung bei Teilverlust der Leber von einer Beeinträchtigung der allgemeinen Leistungsfähigkeit von 20 bis 40 % MdE-Grad ausgeht, kann man die möglichen „bürokratischen“ Nachteile für die Spender nicht ausblenden oder verschweigen. Ärztlicherseits sollte vielmehr alles zu einer Klärung dieses lange bekannten Missstandes getan werden.

Inzwischen könnte die Leberteilung bei postmortaler Organspende zur Minderung des Transplantatmangels intensiviert werden. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0615a

Em. Prof. Dr. med. Dr. h. c. Friedrich Wilhelm Eigler
Sundernholz 13
45134 Essen

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