ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2008Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Chancen und Risiken der Leber-Lebendspende-Transplantation: Schlusswort

Chances and Risks in Living Donor Liver Transplantation: In Reply

Dtsch Arztebl 2008; 105(36): 616; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0616

Bröring, Dieter C.

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LNSLNS Bezüglich der Transplantation AB0-inkompatibler Lebendspender-Organe, die inzwischen durch verschiedene Verfahren der Immunmodulation und intensivierte Immunsuppressionsprotokolle anwendbar geworden ist, sollte ihre Ausnahmestellung hervorgehoben werden. Bei sehr jungen Kindern, die noch keine spezifischen Isoagglutinin-Antikörper ausbilden können, kann die AB0-inkompatible Lebertransplantation weniger restriktiv behandelt werden. Jedoch ist das Risiko und die erforderliche immunsuppressive Therapie für den erwachsenen Empfänger nicht unerheblich. In Ländern mit ausgebautem Fremdorganpool sollte diese Transplantationsform absoluten Ausnahmesituationen vorbehalten bleiben. Wenn auch die Ergebnisse, die bisher erzielt werden konnten, ermutigend sind, bleiben die Fallzahlen klein und es gibt kaum Langzeitergebnisse.

Auf das Thema Spenderrisiko und -einschränkungen wurde nur knapp eingegangen. Es ist richtig, dass die angegebene Letalitätsrate als untere Grenze anzusehen ist. Somit sollte man sich auf die Literaturangaben beziehen, wobei eine einheitliche Klassifikation der Morbidität wünschenswert wäre. In Deutschland sind bisher drei Todesfälle berichtet worden. Die Langzeitergebnisse dieses noch jungen Verfahrens werden erst folgen. Nach unserem Wissen, traten bisher kaum relevante Einschränkungen für die Spender auf. Bezüglich der finanziellen Belastungen durch die Spende ist eine Klärung und Lösung durch die entsprechenden Transplantationsgesellschaften überfällig. Der MdE-Grad von 20 bis 40 % nach Lebendspende sollte von den Berufsgenossenschaften reevaluiert werden, weil sich dieser auf die Erfahrungen der onkologischen Leberchirurgie stützt, die mit der Leberresektion eines gesunden Spenders nicht gleichzusetzen ist.

Die Lebendspende ist eine alternative Transplantationstechnik, die nur zu rechtfertigen ist, wenn alle anderen Transplantationstechniken wie Vollorgantransplantation, Split-Lebertransplantation und auxilliäre Transplantation zur Anwendung kommen. Insbesondere die Unterstützung und Weiterentwicklung der Split-Lebertransplantation sollte angestrebt werden. DOI: 10.3238/arztebl.2008.0616

Prof. Dr. med. Dr. Dieter C. Bröring
Klinik für Allgemeine und Thoraxchirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Arnold-Heller-Straße 7
24105 Kiel
E-Mail: jessi.walter@gmx.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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