ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2008Callcenter: Genug Geld – bei der DAK
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Wir Ärztinnen und Ärzte müssen viel intensiver hinterfragen, wofür das Geld des Gesundheitssystems ausgegeben wird – hier ist bei der DAK offenbar genügend Geld vorhanden, um qualifizierte Schwestern und Pfleger zu beschäftigen. Schauen wir die Situationen vor Ort an – im Hamsterrad einer Arztpraxis ist es nahezu unmöglich, chronisch Kranke mit genügend Zeit und Beratung zu begleiten. Diese Aufgabe wurde jetzt von der DAK freiwillig (?) übernommen. Bei anderen Kassen sind derartige „Casemanager“ ebenfalls etabliert. Warum jedoch werden diese Gelder nicht den Haus- und Fachärzten in ihren Praxen gegeben, um endlich umfassende Beratungen und Betreuungen durchführen zu können und das „Hamsterrad“ abzuschaffen? Diese Kollegen kennen die häuslichen/familiären Verhältnisse, sie sind vor Ort erreichbar, und nicht zuletzt machen sie Hausbesuche bei auftretenden Problemen. Dieses alles können weit entfernt sitzende Menschen in Callcentern überhaupt nicht leisten! Da geht der vermeintliche Fortschritt aber eindeutig in die falsche Richtung! Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen hat längst auf diesen sich entwickelnden Missstand reagiert: In der Carl-Oelemann-Schule für Medizinische Fachangestellte, Bad Nauheim, werden bereits ausgebildete Arzthelferinnen qualifiziert, um Patientinnen und Patienten aus der Arztpraxis heraus bei den genannten chronischen Erkrankungen zu betreuen! Die Qualität wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitaus besser werden als bei einer „anonymen Beratung aus der Ferne“! Man wäre froh, die Unterschiede der „persönlichen Beratung in der Arztpraxis“ und der „Beratung im Callcenter“ wissenschaftlich begleitet zu sehen – zuvor jedoch müssen die Arztpraxen auch vergleichbare Ausgangsbedingungen finanzieller Art erhalten. Geld ist ja offensichtlich reichlich da bei einigen Kassen.

Dr. med. Ursula Stüwe,
Präsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen,
Im Vogelsgesang 3, 60488 Frankfurt am Main
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