ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2008Gesundheitswesen: Sinkendes Angebot bei steigender Nachfrage

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Gesundheitswesen: Sinkendes Angebot bei steigender Nachfrage

Dtsch Arztebl 2008; 105(36): A-1847 / B-1591 / C-1557

Timphus, Michael

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Ich habe mit Freude den Artikel des Kollegen Kamps gelesen und kann ihm eigentlich zu 100 Prozent zustimmen und bestätigen, dass unser Gesundheitswesen nahezu ausschließlich für die befindlichkeitsgestörte Masse gut ist. Wir checken-up, erkennen früh und beraten, was das Zeug hält, den Bürger, der schon vorher weiß, was er nicht hat. Für den wahrhaftig kranken Menschen bleibt keine Zeit. Wird sich aber etwas ändern? Wir alle stecken drin im System und müssen davon leben. Die Politik, vor allem in Deutschland, ist zersetzt durch versteckten Lobbyismus und Vorteilsnahme in allen Kreisen. Das Gesundheitswesen ist ein Markt, in dem Kosten- und Entscheidungsträger vor allem PR mit zum Teil zweifelhaften Vorsorge- und Früherkennungsleistungen an gesunden Menschen machen. Leitlinien werden meist von den berühmten „bezahlten Mäulern“ gemacht und als unabhängig erstellt gepriesen. Medizin wird einer totalen „Verwissenschaftlichung“ unterworfen. Der Patient als kranker Mensch in seinem sozialen Kontext ist nahezu nicht mehr existent und schon lange nicht mehr erwünscht. Er kostet zu viel Zeit, die mittlerweile nicht einmal mehr vergütet wird. Die Ärzteschaft ist träge, unwillens zum wirklichen Zusammenschluss und Protest. Jeder sieht nur noch den schnell noch erhaschten Profit, und die meisten denken dabei, dass sie eh’ in ein paar Jahren aufhören. Ich als junger Kollege sehe die Patienten zu Opfern einer langsam zur Dienstleistung verkommenden Heilkultur werden. Ich kann wirtschaftlich davon leben, bin ich doch das sinkende Angebot bei steigender Nachfrage. Ärztlich gesehen halte ich dies für falsch, aber leben werde ich damit . . .
Michael Timphus, Vogtstraße 8, 49393 Lohne
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