ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2008Verbrennungen: Sachlich, ohne Pathos

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Verbrennungen: Sachlich, ohne Pathos

Dtsch Arztebl 2008; 105(36): A-1849

Krengel, Sven

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Clemens Schiestl, Anna-Barbara Schlüer, Iris Zikos-Pfenninger: Schaut mich ruhig an. Wie brandverletzte Kinder und Jugendliche ihr Leben meistern. Rüffer & Rub, Zürich, 2008, 192 Seiten, gebunden, 29,10 Euro
Clemens Schiestl, Anna-Barbara Schlüer, Iris Zikos-Pfenninger: Schaut mich ruhig an. Wie brandverletzte Kinder und Jugendliche ihr Leben meistern. Rüffer & Rub, Zürich, 2008, 192 Seiten, gebunden, 29,10 Euro
Für Eltern ist etwas Schrecklicheres kaum vorstellbar: Einen Moment der Unachtsamkeit im Haushalt, beim Grillen oder beim Spiel mit dem Feuer, und das geliebte Kind erleidet großflächige Verbrennungen. Das Leben ist von einem Moment auf den anderen verzweifelt schwer, Selbstvorwürfe auf der einen, monatelange Schmerzen und bleibende Entstellungen auf der anderen Seite.

Das Team des Zentrums für brandverletzte Kinder des Kinderspitals Zürich hat ein Buch darüber geschrieben, wie es nach der Katastrophe weitergeht, ein Buch über seine Arbeit. Hier erfahren wir, dass die meisten Kinder, auch mit schwersten Verbrennungen, heute dank großer Fortschritte bei der Behandlung überleben. Wir begleiten die Kinder in den OP, auf die Intensivstation, bei dem aufwendigen, lang dauernden und schmerzhaften Prozess der Heilung und Wiedereingliederung in das normale Leben. Wir erleben den Alltag in einer Verbrennungsklinik in vielen kurzen Kapiteln aus der Perspektive von Ärzten, Krankenpflegern, Physio- und Ergotherapeuten, Bandagisten, Psychologen, Sozialarbeitern, Lehrern, Fotografen und weiteren Beteiligten eines ungemein engagierten und fein aufeinander abgestimmten Teams. Gleichzeitig ist es ein Buch über die Familien der verunglückten Kinder, ihre Erinnerungen an die schwere Zeit und über die Art und Weise, wie sie die schlagartig veränderte Grundsituation allmählich gestalten lernten.

Es ist ein Buch, das sachlich und ohne Pathos berichtet und gerade dadurch oft traurig stimmt und weh tut, aber auch ein Buch, das gerade durch die vielen Passagen, in denen brandverletzte Kinder rückblickend über das Trauma und ihre heutige Situation nachdenken, sehr optimistisch ist – ein gelungenes Buch.

Gleichzeitig drängen sich bei der Lektüre unvermeidlich auch gesundheitsökonomische Aspekte auf. Die Versorgung eines schwer brandverletzten Kindes erzeugt Tagestherapiekosten von 3 000 bis 4 000 Schweizer Franken. Der geschilderte Fall eines Jungen aus dem Kosovo, dem durch eine Spendenaktion die Behandlung ermöglicht und damit das Leben gerettet wurde, lässt einen unweigerlich an die vielen Tausend Brandopfer denken, denen nicht annähernd derartige Strukturen zur Verfügung stehen. Es wird wohl manchem Leser so gehen: Man wünscht sich, wenn in der eigenen Familie einmal eine schwere Verbrennung vorkommen sollte, eine Klinik wie das Zürcher Kinderspital. Bei genauerem Hinsehen aber ist das Besondere an der in dem Buch geschilderten Teamarbeit nicht in erster Linie dem Wohlstand zu verdanken, sondern einem gründlichen Nachdenken über die besonderen Erfordernisse eines speziellen Krankheitsbilds und jedes einzelnen Patienten, verbunden mit einer unprätentiösen Bereitschaft zur Zusammenarbeit über Fachgrenzen und klinische Hierarchien hinaus.

Für Fachgebiete, in deren klinischem Alltag größerflächige Verbrennungen selten eine Rolle spielen, bietet das Buch eine ideale Möglichkeit, Einblicke in die speziellen Probleme dieser Disziplin zu nehmen. Als Anregung und Motivation zu einer optimierten Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegern dürfte es ganz sicher in jeder Klinik großen Anklang finden, dieses Buch als Leseexemplar im Stationszimmer auszulegen.
Sven Krengel

Clemens Schiestl, Anna-Barbara Schlüer, Iris Zikos-Pfenninger: Schaut mich ruhig an. Wie brandverletzte Kinder und Jugendliche ihr Leben meistern. Rüffer & Rub, Zürich, 2008, 192 Seiten, gebunden, 29,10 Euro
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