ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2008Heinrich Heidersberger: Unverwechselbare Bildersprache

KULTUR

Heinrich Heidersberger: Unverwechselbare Bildersprache

Dtsch Arztebl 2008; 105(36): A-1855

Krannich, Stephanie

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Wolfsburg, 1963 Fotos: Kunstmuseum Wolfsburg
Wolfsburg, 1963 Fotos: Kunstmuseum Wolfsburg
Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen der Stadt Wolfsburg zeigt das dortige Kunstmuseum Aufnahmen aus allen Schaffensbereichen des Industrie- und Architekturfotografen.

Wolfsburg, 1971 (Ausschnitt)
Wolfsburg, 1971 (Ausschnitt)
Der Erwerb einer gebrauchten Holzkamera auf dem Marché aux Puces in Paris brachte Heinrich Heidersberger (1906–2006) wohl eher zufällig zur Fotografie, oder es war, wie er selbst sagte, ein „Fingerzeig des Schicksals“. Er wurde Fotograf, damals noch Lichtbildner genannt, eine für ihn besonders zutreffende Bezeichnung, widmete er sich doch intensiv der Luminografie, der „Aufzeichnung einer Lichtquelle in Bewegung“. Bekannt wurde er als Industrie- und Architekturfotograf. Seine Bildersprache ist unverwechselbar. Heidersberger, der zu den bedeutendsten deutschen Fotografen des 20. Jahrhunderts zählt, starb kurz nach Vollendung seines 100. Lebensjahrs in Wolfsburg.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen der Stadt Wolfsburg zeigt das dortige Kunstmuseum circa 170 Aufnahmen aus allen Schaffensbereichen Heidersbergers. Der gebürtige Ingolstädter studierte von 1928 bis 1931 in Paris Malerei. Seine als Maler begonnene Laufbahn gab er sehr bald auf und wechselte ganz zur Fotografie. 1961 zog er nach Wolfsburg und hielt von da an systematisch die Entwicklung dieser Industriestadt in ihrer ländlichen Umgebung fotografisch fest. 1963 veröffentlichte er zum 25-jährigen Gründungsjubiläum den Bildband „Bilder einer jungen Stadt“. Das bei Fotoliebhabern begehrte Werk ist anlässlich der Ausstellung in einer Neuedition erschienen. Neben den mit der Stadt Wolfsburg verbundenen Fotografien widmet sich die Ausstellung der Architektur-, Produkt- und Aktfotografien sowie der „Rhythmogramme“, „Lineaturen aus Licht“. Heidersberger experimentierte gern mit Fotomaterial und Licht. Seine Rhythmogramme, in denen er Lichtspuren fotografisch festhielt, erzeugte er mit einem selbst konstruierten, mehrfach überarbeiteten Apparat, dem sogenannten Rhythmografen. Die geschwungenen, dreidimensional wirkenden Formen erscheinen wie mithilfe von Computern geschaffene Grafiken oder erinnern an Stahlplastiken etwa von Simon Benetton. Ein Exemplar des Rhythmografen, das fast 20 Quadratmeter einnimmt, steht im Wolfsburger Renaissanceschloss, in dem Heidersberger 1961 sein Atelier einrichtete. Dort befindet sich auch das 2002 gegründete Institut Heidersberger. Dessen Ziel ist es, das Lebenswerk des Fotografen zu sichern, seine Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und den Dialog mit zeitgenössischen Fotografen zu suchen. So zeigte das Kunstmuseum Wolfsburg in Zusammenarbeit mit dem Institut Heidersberger 2005 die Ausstellung „Phaenographie“: Foto- und Videodokumentationen von sechs Künstlern zur Baugeschichte des von der irakischen Architektin Zaha Hadid entworfenen und inzwischen eröffneten Wissenschaftsmuseums „phaeno“ am ICE-Bahnhof in Wolfsburg, das einen faszinierenden Einblick in die Welt der Naturwissenschaft und der Technik gibt. Zwei lohnende Ziele, die sich gut miteinander verbinden lassen.
Dr. med. Stephanie Krannich

Die Ausstellung „Heidersberger“ ist bis zum 21. September im Kunstmuseum Wolfsburg, Hollerplatz 1, 38440 Wolfsburg zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags 11 bis 20 Uhr, mittwochs bis sonntags 11 bis 18 Uhr, montags geschlossen. Weitere Informationen unter Telefon: 0 53 61/2 66 90 oder im Internet unter: www.kunstmuseum-wolfsburg.de, www.heiders berger.de.
Phaeno, Willy-Brandt-Platz 1, 38440 Wolfsburg, Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen. Telefon: 01 80/1 06 06 00, Internet: www.phaeno.de.
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