ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2008Recherche zu Entspannungstechniken und hypnotherapeutischen Verfahren: Konzentration schulen, beruhigen und Wohlbefinden steigern

THEMEN DER ZEIT

Recherche zu Entspannungstechniken und hypnotherapeutischen Verfahren: Konzentration schulen, beruhigen und Wohlbefinden steigern

PP 7, Ausgabe September 2008, Seite 410

Eichenberg, Christiane; Abitz, Karin

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LNSLNS Eine Auswahl empfehlenswerter Informationen im Internet

Verschiedene Entspannungstechniken und hypnotherapeutische Verfahren finden Anwendung im psychotherapeutischen und psychiatrischen Bereich. Sie fungieren als zentrale Behandlungsmethoden oder zusätzliche therapeutische Maßnahmen (Revenstorf, 1993). Zu den heutigen Standardverfahren zählen unter anderem: Hypnose, autogenes Training, meditative Verfahren, imaginative Verfahren, progressive Muskelentspannung und Biofeedback (Vaitl & Petermann, 2004). Den verschiedenen Entspannungsverfahren ist gemeinsam, dass sie das Erlernen von Selbstkontrolle fördern, die Konzentration schulen, beruhigen und das Wohlbefinden steigern. Ziel ist es, die Konzentration von den Außenreizen abzuwenden und die volle Aufmerksamkeit nach innen zu richten (Revenstorf, 1993). Die spezifischen Wirkungen der verschiedenen Verfahren sind allerdings unterschiedlich; demnach gibt es differenzielle Indikationen bei verschiedenen psychischen Störungen.

Überblick und Ressourcen für Betroffene
Einen allgemeinen Einblick in die Thematik bietet das Selbsthilfeportal „angstnetz.de“. Hier sind leicht verständlich Informationen zu diversen Entspannungsverfahren abrufbar (1). Insbesondere für Betroffene ist das Portal „Gesundheitpro.

de“ geeignet (2). Es ermöglicht, sich über die verschiedenen Entspannungstechniken differenziert zu informieren. Des Weiteren haben Interessierte die Möglichkeit, eine nach Postleitzahlen und Entspannungsverfahren gegliederte Suche nach Therapeuten durchzuführen.
www.meghypnose.de
www.meghypnose.de


Spezieller, aber trotzdem einführend, ist der Text zum autogenen Training, den Karl Mayer, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie (3), verfasst hat. Gut verständlich werden Informationen zu den Bereichen „Was ist autogenes Training?“, „Durchführung“ und „Empirische Wirksamkeitsnachweise und Indikatoren“ dargestellt. Zudem wird auf empfehlenswerte Bücher und CDs zum Thema verwiesen.

Der Artikel „Hypnose und Hypnotherapie“ von Prof. Dirk Revenstorf, Uni Tübingen, bietet interessante Einblicke in die Geschichte und Theorie der Hypnotherapie, anthropologische Prämissen und in die empirische Wirksamkeit (4).

Um eine Vorstellung von der Methode des Biofeedbacks zu bekommen, bietet sich ein Artikel von Prof. Josef Egger, Universität Graz, mit dem Titel „Biofeedback als angewandte Psychophysiologie“ an (5).

Der Artikel „Eine Reise mit Captain Nemo. Zur Bedeutung von Entspannungsverfahren als Modul für Stressbewältigungstrainings von Kindern“ von Claudia Fasthoff, Franz Petermann und Petra Hampel offeriert einen Eindruck über die Anwendung speziell bei Kindern (6).

Forschungsprojekte
Das Thema Entspannungsverfahren und hypnotherapeutische Verfahren bietet ein breites Spektrum an Forschungsfragen, denen sich verschiedene Universitäten mit wissenschaftlichen Projekten widmen.

Der Antrag für die wissenschaftliche Anerkennung der Hypnotherapie wurde im Jahr 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie geprüft. Das entsprechende Gutachten kann heruntergeladen werden unter www.dgh-hypnose.de/ up/GUT-WBP.pdf (7).

www.entspannungsverfahren.com
www.entspannungsverfahren.com
Die Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Wissenschaftsforschung der Universität Trier hat sich auf die Verfahren autogenes Training und progressive Relaxation spezialisiert (8). Themen der Forschungsprojekte sind unter anderem „Indikation und Effekte systematischer Entspannungsmethoden (autogenes Training, progressive Relaxation) bei der Behandlung und Prävention psychischer und psychosomatischer Störungen“ und „Indikation und Wirksamkeit systematischer Entspannungstherapien (autogenes Training und progressive Relaxation) in der Begleitbehandlung psychotherapeutischer und medizinischer Primärbehandlungen“.

Priv.-Doz. Dr. Rainer Doubrawa bietet mit seinem Artikel „Progressive Relaxation – neuere Forschungsergebnisse zur klinischen Wirksamkeit“ (9) einen Überblick zum aktuellen Stand der Forschung.

Das Institut für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Bio-psychologie der Universität Bonn widmet sich der Evaluation der Hypnotherapie (10). Ein Artikel von Prof. Oskar Berndt Scholz, ehemals Leiter des Instituts, mit dem Thema „Hypnose als psychotherapeutische Methode: Ergebnisse der psychologischen Psychotherapieforschung“ ist abrufbar unter www.psychothera peutenjournal.de/pdfs/2005-1/scholz. pdf (11).

An der Universität Freiburg wird ebenfalls zur Hypnotherapie geforscht (12). Thema eines Forschungsprojekts ist hier: „Neuronale Korrelate emotionsauslösender Stimuli in Hypnose und im Wachzustand – corticale Umstrukturierung bei spezifischen Phobien nach hypnotherapeutischer Intervention“.

Ausgewählte Studien zur Effektivität von Hypnotherapie, zusammengestellt von Prof. Dirk Revenstorf, Universität Tübingen, sind im Internet ebenfalls frei verfügbar (13).

www.dgh-hypnose.de
www.dgh-hypnose.de
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Zwei Dissertationen, die von Revenstorf betreut wurden, sind im Volltext im Internet abrufbar: „Verhaltenstherapie und Hypnotherapie bei primärer Insommie“ von Diplom-Psychologin Angelika Schlarb (14) und „Hypnotherapie bei Nikotinabusus“ (15), verfasst von Diplom-Psychologin Cornelie Schweizer.

Die Universität Marburg befasst sich mit der Erforschung der Methode des Biofeedbacks bei körperlichen Beschwerden (16). Forschungsprojekte sind unter anderem: „Psychophysiologische Grundlagen sowie Behandlung mit Biofeedback bei Tinnitus-Betroffenen“ und „Effekte von Biofeedback im Rahmen einer kognitiv-behavioralen Therapie bei chronischen Rückenschmerzen“.

Auf einer Webseite der Universität Hamburg stehen Zeitschriftenartikel von Prof. Dr. Sven Tönnies, Arbeitsgruppe Gesundheitspsychologie und Rehabilitation des Fachbereichs Psychologie an der Uni- versität Hamburg, zur Verfügung. Tönnies publizierte unter anderem online „Entspannungsverfahren in der klientenzentrierten Psychotherapie“ (17).

Auf positive Auswirkungen von Yoga auf depressive Erkrankungen wird in den News der Boston University hingewiesen, die in einer von Chris Streeter, Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Boston/USA, durchgeführten Studie ermittelt wurden (18).

Fachgesellschaften
Es gibt verschiedene Fachgesellschaften, die sich allgemein den Entspannungsverfahren widmen oder sich auf diverse Verfahren spezialisiert haben und auf ihren Internetpräsenzen ein unterschiedliches Spektrum an Informationen bereitstellen.

Die Fachgruppe „Entspannungsverfahren“ der Sektion Klinische Psychologie des Berufsverbandes deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), die 1982 gegründet wurde, bietet eine Fülle an Informationen an (19). Die verschiedenen Entspannungsverfahren werden beschrieben, Merkblätter zu den einzelnen Verfahren und Voraussetzungen, Leit- und Richtlinien und Inhalte der Kursabläufe zu Fortbildungen sind einsehbar. Die Bereiche „News“, „Aktuelle Ereignisse“ und ein umfangreicher Download-Bereich mit Vorträgen und Informationsbroschüren zum Thema sowie Literaturempfehlungen ergänzen das Onlineangebot.

Die Deutsche Gesellschaft für Ärztliche Hypnose und Autogenes Training (DGÄHAT), gegründet 1955 von Prof. Schultz, fördert die Wissenschaft und die Therapiemethoden der Hypnose und des autogenen Trainings (20). Die Gesellschaft bietet Aus- und Weiterbildungen an, zu denen die Termine für das laufende Jahr einsehbar sind („Fortbildungen“). Curricula für Therapeuten und Dozenten stehen ebenso zur Verfügung. Um die Arbeit des DGÄHAT verfolgen zu können, werden die Rundbriefe seit dem Jahr 2000, eine Mitgliederliste, Kontaktdaten der Dozenten und Therapeuten sowie Informationen zu Tagungen veröffentlicht. Das Spektrum an Onlineinformationen der Fachgesellschaft wird durch Verlinkungen zu nationalen und internationalen Fachgesellschaften sowie zu Fachkliniken abgerundet (Ý „Links“).

Eine weitere Fachgruppe ist die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH). Unter (21) sind Einführungstexte, relevante Literatur, Presseberichte sowie Fotos zu finden. Informationen zur Anwendung der Hypnose in der Zahnmedizin sind ebenso zu finden. Die DGH legt ihre wissenschaftlichen Projekte inklusive weiterführender Informationen dar („Wir über uns Ý Wissenschaftliche Projekte“). Die Möglichkeit, sich außerhalb der Homepage weiterzubilden, wird unterstützt durch eine Zusammenstellung von empfehlenswerten Büchern, CDs und Lehrfilmen.

Eine weitere Fachgesellschaft, die sich auf Hypnose spezialisiert hat, ist die 1978 gegründete Milton-Erickson-Gesellschaft für Klinische Hypnose (MEG) (22). Über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten wird durch Curricula, Termine sowie Tagungen und Kongresse informiert. Zudem vergibt die Gesellschaft jährlich den Milton-Erickson-Preis für herausragende Leistungen in der Forschung zum Thema Hypnose sowie einen Nachwuchsförderpreis. Weiterführende Informationen bieten wissenschaftliche Artikel und Buchbesprechungen zum Thema. Besondere Angebote sind einmal die für Betroffene nach verschiedenen Themengebieten gegliederte Therapeutensuche, die eine gezielte Suche nach einem geeigneten Psychotherapeuten im Postleitzahlengebiet zulässt, sowie eine Mailingliste, die den Fachaustausch fördert.

Eine internationale Fachgesellschaft ist die International Society for Hypnosis (ISH) (23). Einsehbar sind die Neuigkeiten aus den Jahren 2005 bis 2007 sowie Informationen zu vergangenen und kommenden Kongressen. Abrufbar ist ein Aufsatz von Karlin und Orne, University of Pennsylvania/USA, mit dem Titel „Neural basis of hypnosis“. Die ISH unterstützt die internationalen Beziehungen zwischen den einzelnen Gesellschaften zum Themenbereich Hypnose und bietet eine Auflistung der entsprechenden Gesellschaften.

Die European Society of Hypnosis (ESH), die aus 32 Gesellschaften aus 17 Ländern Europas besteht (24), bereitet online viele Informationsmaterialien auf, wie zum Beispiel Hinweise auf Zeitschriften und Bücher. Ein Diskussionsforum steht ebenso zur Verfügung.

Zeitschriften
Die jährlich erscheinende Fachzeitschrift „Entspannungsverfahren“ der Sektion Klinische Psychologie des BDP, die vom Papst-Science-Publishers-Verlag herausgegeben wird, offeriert im Internet Inhaltsangaben der letzten Ausgaben (25). Themen der Artikel sind unter anderem „Progressive Relaxation bei Kindern und Jugendlichen“ oder „Prognostischer Wert von Vorerfahrungen und Teilnahmemotiven für den Lern- und Transferprozess bei Autogenem Training und Progressiver Relaxation“.

Die Milton-Erickson-Gesellschaft ist Herausgeber von zwei themenbezogenen Zeitschriften: 1. „MEGa-PHON“, die einmal jährlich erscheint und innerhalb Deutschlands kostenlos bezogen werden kann (26). Die Ausgaben von 2005 bis 2007 sind kostenlos herunterzuladen; 2. „Hypnose“ (27).

Die Inhaltsangaben der Jahrgänge 1983 bis 2001 der „Zeitschrift experimentelle und klinische Hypnose“, die von der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie herausgegeben wird, findet man unter (28). Die Zeitschrift veröffentlicht unter anderem experimentelle und klinische Forschungsberichte sowie Falldarstellungen.

Die American Society of Clinical Hypnosis (ASCH) gibt das „American Journal of Clinical Hypnosis“ heraus. Die Inhaltsangaben sind frei verfügbar. Mitglieder können die Artikel im Volltext lesen. Ein besonderer Service der Gesellschaft ist, dass die Inhaltsangabe der Ausgabe April 2006 in sieben Sprachen, unter anderem ins Deutsche übersetzt, einsehbar ist (29).

Ein weiteres englischsprachiges Journal ist das „European Journal of Clinical Hypnosis“ (30), das von der British Association of Medical Hypnosis (BAHM) herausgegeben wird. Die Abstracts der einzelnen Beiträge sind kostenfrei einsehbar, die Volltexte werden zum Kauf angeboten.
Dr. Christiane Eichenberg, Karin Abitz

Anschrift der Verfasserinnen:
Dr. Christiane Eichenberg, Dipl.-Psych. Karin Abitz, Institut für Klinische Psychologie & Psychologische Diagnostik, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de, Internet: www.christianeeichenberg.de


Internetadressen

 1. www.angstportal.de/Kategorie/ Hilfe-zur-Selbsthilfe/Entspannungstechniken/
 2. www.gesundheitpro.de/Entspannung
 3. www.neuro24.de/autogenes_training.htm
 4. www.meg-hypnose.de/uploads/media/Hypnose.pdf
 5. www.aekstmk.or.at/ fortbildung/ Biofeedback_als_angewandte_Psychophysiologie_4_2_2005.pdf
 6. psydok.sulb.uni-saarland.de/ volltexte/2004/333/pdf/ report_psychologie_02-2003_1.pdf
 7. www.dgh-hypnose.de/up/GUT-WBP.pdf
 8. www.uni-trier.de/index.php?id=5874
 9. www.entspannungsverfahren.com/pdf/apetizer_5.pdf
10. www.psychologie.uni-bonn.de/kap/for/for.htm
11. www.psychotherapeutenjournal.de/pdfs/2005-1/scholz.pdf
12. www.psychologie.uni-freiburg.de/abtei lungen/ Neuropsychologie/FSP/phobien
13. www.meg-hypnose.de/uploads/media/Studien_zur_Effektivitaet.pdf
14. tobias-lib.ub.uni-tuebingen.de/volltexte/2005/1752/
15. w210.ub.uni-tuebingen.de/dbt/volltexte/2003/1040/
16. www.uni-marburg.de/fb04/ag-klin/forschung/biofeedback
17. www1.uni-hamburg.de/psych-3/seminar/toennies/ Homepage/zeitschriften.htm
18. www.bu.edu/today/node/3507
19. www.entspannungsverfahren.com
20. www.dgaehat.de
21. www.dgh-hypnose.de
22. www.meg-hypnose.de
23. www.ish-web.org
24. www.esh-hypnosis.org
25. www.entspannungsverfahren.com -> Infomaterial -> Fachzeitschrift
26. www.meg-hypnose.de -> Publikationen & wiss. Projekte -> Periodika & Newsletter
27. www.meg-stiftung.de/Ab__Hypnose/ab__hypnose.html
28. www.dgh-hypnose.de/con/home&Nr=350
29. www.asch.net/ajch.htm
30. www.ejch.com/index.html

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