ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2008Intelligenzminderung: Mangelhafte Versorgung

Referiert

Intelligenzminderung: Mangelhafte Versorgung

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung und zusätzlichen psychischen Störungen galt lange als defizitär. Um den aktuellen Stand zu ermitteln, hat der Autor sämtliche kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken in Deutschland um eine Einschätzung gebeten und von 74 Kliniken eine Antwort bekommen. Danach wird das kinder- und jugendpsychiatrische diagnostische Instrumentarium auch bei geistig behinderten, psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Die häufig sehr schwierige Differenzialdiagnostik wird damit hinreichend bewältigt, allerdings ist das Instrumentarium zu wenig an die spezielle Klientel angepasst. Für alle Behindertengruppen wurden alle Therapiemodalitäten für möglich gehalten, wobei gelegentlich nach Behinderungsgrad differenziert wird. Elternberatung ist die häufigste Therapiemodalität überhaupt, gefolgt von funktionellen Therapien und psychotherapeutischen Verfahren. Fast jede der befragten Kliniken behandelt die Klientel ambulant und stationär im Rahmen ihres Grundversorgungsauftrags. Spezialisierte und universitäre Angebote sind hingegen rar und decken nicht den Bedarf. „Die derzeitige psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgungssituation dieser Klientel durch die Jugendpsychiatrie wurde mit der Durchschnittsnote 4,3 im stationären Bereich und mit 4,1 im ambulanten Bereich bewertet“, berichtet der Autor. Die ambulante psychotherapeutische Versorgung erhielt sogar ein „mangelhaft“. ms

Hennicke K: Zur Versorgung von Menschen mit Intelligenzminderung und psychischen Störungen in den Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie in Deutschland. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie 2008; 2: 127–34.
Prof. Dr. Klaus Hennicke, Ev. Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, FB IV, Immanuel-Kant-Straße 18–20, 44803 Bochum, E-Mail: hennicke@efh-bochum.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote