ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2008Randnotiz - Gestatten: Arzt – Patient

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Randnotiz - Gestatten: Arzt – Patient

Dtsch Arztebl 2008; 105(37): A-1873 / B-1613 / C-1577

Griebenow, Berit

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LNSLNS Ob nun Dr. Shepherd aus der US-Sitcom „Grey’s Anatomy“ oder Prof. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik – Ärzte in verschiedensten Fernsehserien präsentieren sich als Frauenversteher, als innovative Denker und sind zu jeder Tageszeit auskunftsfreudig.

Aus unseren alltäglichen Erfahrungen wissen wir: Die Realität sieht oftmals anders aus. Viele Patienten bemängeln, dass ihre Ärzte ein zu geringes persönliches Interesse an ihnen zeigten oder unfähig seien, schwere Diagnosen schonend zu vermitteln. Die Gründe für eine kränkelnde Arzt-Patient-Beziehung können vielfältig sein: überlange Arbeitszeiten, unzureichende Gehälter oder Honorare, lästige bürokratische Auflagen oder eine schlechte Vorbereitung im Studium auf den Umgang mit Patienten.

Eine neue Entwicklung scheint da gerade recht zu kommen. Einige Krankenkassen betreuen ihre Patienten seit Neuestem per Telefon. Gesundheitstipps aus dem Callcenter – ein Arztbesuch ist dann unter Umständen nicht mehr nötig. Hörtests kann man mittlerweile ebenfalls am Telefon machen – sogar für beide Ohren. Am Ende des Tests teilt eine elektronische Stimme mit, ob ein Arztbesuch nötig ist oder nicht. Mit der Gewissheit, dass wir Patienten auch nicht immer leicht zu handhaben sind, werde ich trotzdem weiterhin zum Arzt gehen. In unserer anonymisierten Gesellschaft, in der wir oftmals unsere Nachbarn nicht kennen und sich Freundschaften über Online Communities definieren, möchte ich wenigstens den Menschen, der sich um mein Wohlbefinden sorgt, persönlich gegenübersitzen und ihm in die Augen schauen. Und in diesen kann ich dann sehen, dass er sich freut, dass ich seinen ärztlichen Leistungen vertraue. Er kann es nur nicht immer zeigen.
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