ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2008Akute Engpässe in der Nuklearmedizin

AKTUELL: Akut

Akute Engpässe in der Nuklearmedizin

Dtsch Arztebl 2008; 105(37): A-1874 / B-1614 / C-1578

Feld, Michael

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LNSLNS In Deutschland wird ab diesen Monat mit akuten Engpässen in der Versorgung mit Materialien gerechnet, die für die nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie benötigt werden. Das teilt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) mit. Die in der Nuklearmedizin am häufigsten verwendeten Radionuklide, Technetium-99m für die Diagnostik und Jod-131 für die Therapie, werden in speziellen Kernreaktoren hergestellt, von denen nur sechs weltweit existieren und nur drei für den europäischen Markt lizenziert sind. Durch fehlende Absprachen bei Wartungsintervallen und mindestens zwei unvorhergesehene Instandsetzungsprobleme fallen zurzeit vier der sechs Reaktoren aus, was nun zu deutlichen Lieferungs- und Anwendungsausfällen führt.

Tc-99m wird aus dem Reaktorprodukt Molybdän-99 gewonnen, das eine Halbwertszeit von 66 Stunden hat. Das ebenfalls nur im Reaktor gewinnbare Jod-131 ist im Rahmen der Radiojodtherapie unverzichtbar zur Behandlung bestimmter Schilddrüsenkarzinome sowie zum Beispiel des Morbus Basedow. Es hat eine Halbwertszeit von etwa acht Tagen. Ein heruntergefahrener Reaktor kann aus physikalischen Gründen frühestens zehn Tage später wieder Molybdän-99 und Jod-131 liefern.

Notfallplan abrufbar
In Deutschland werden pro Woche circa 60 000 Szintigrafien gemacht, meist an Schilddrüse, Skelett und Herz. In den letzten Tagen fanden Notfallkonferenzen von Fachgesellschaften, Verbänden, Politik und Industrie statt, um eine Basisversorgung zu gewährleisten. Ein Notfallplan, der für die meisten deutschen Kliniken die Versorgung der nächsten Tage und Wochen darstellt, ist im Internet unter www.notfallplan.nuklearmedizin-life.de abrufbar. Die Skelettszintigrafie benötigt viel Tc-99m, weshalb zurzeit nur dringliche Untersuchungen erfolgen sollen, weniger akute werden verschoben. Das Gleiche gilt für die Herzdiagnostik mit Tc-99m. Hier kann auch auf Thallium-201 zurückgegriffen werden, welches als Zyklotronprodukt nicht von dem Engpass betroffen ist. Die Sentinel-Node-Diagnostik mit Tc-99m beim Mammakarzinom soll sichergestellt werden, ebenso eine Grundversorgung mit Technetium in Krankenhäusern und Praxen. Überlegt wird, ob gegenwärtig noch nicht lizenzierte Reaktoren im Ausland die benötigten Isotope liefern könnten. Der BDN will zudem stärker thematisieren, wie sehr Deutschland in diesem sensiblen Bereich von ausländischen Produktionsstätten abhängig ist. Dr. med. Michael Feld
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