ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2008Vertragswettbewerb: Geheul der Enttäuschten
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. . . Die Autorin erkennt richtig, dass das Grundproblem in der mangelnden Solidarität der Ärzteschaft insgesamt besteht, aufgrund derer die einzelnen Interessengruppen (v. a. Haus- und Fachärzte, aber auch die stationär tätigen Kollegen und Kolleginnen) durch Kassen und/oder Politik seit Jahrzehnten je nach augenblicklicher Kassen- oder Interessenlage nach dem erprobten „Divide-et-impera“-Prinzip gegeneinander ausgespielt werden. In Bayern besteht jedoch aufgrund jüngerer standespolitischer Entwicklungen eine Sondersituation: Nach den letzten Wahlen zur KV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung wurde die (prozentual stärkste) Hausärztefraktion durch erfolgreiche Kungelei von Facharzt- und Psychotherapievertretern rüde aus dem Vorstand verdrängt, und dies vor dem Hintergrund einer bis dato jahrelangen erfolgreichen gemeinsamen Zusammenarbeit für alle Kollegen mit der KV Bayerns. Da in dieser Situation eine eigene politische Mitsprache und Vertretung nicht mehr möglich war, forcierte der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) unter der Führung des – je nach Blickwinkel als charismatisch-heilsbringende Lichtgestalt oder demagogisch-dämonischer Verführer betrachteten – Kollegen Wolfgang Hoppenthaller den Aufbau von Strukturen außerhalb der KV . . . Nachdem die angestrebte „Korblösung“ aufgrund der Feigheit zu vieler Einzelner zu scheitern schien, konnte durch persönlichen Einsatz vieler betroffener Kollegen eine politische Situation vor den Landtagswahlen geschaffen werden, die die CSU-Führung zum Einlenken und echten Verhandeln über Forderungen des BHÄV brachte. Das jetzige Jammern und Wehklagen von KV und GFB (Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände) über „Sonderbehandlung“ und „Verhandlungsmonopol einer einzelnen Arztgruppe“ (in Bayern des BHÄV) stellt dann wohl auch eher das enttäuschte Geheul der unterlegenen Wölfe dar, die den angestrebten Knochen auch gerne gehabt hätten (GFB) oder hatten (KBV). An den Grundproblemen der chronisch-mangelnden Solidarität der Ärzteschaft untereinander und dem erst durch relativ neue politische Entwicklungen ermöglichten (und erwünschten?) Angriff auf das deutsche Gesundheitssystem durch kapitalgestützte und „shareholder-value“-orientierte Gesundheitskonzerne ändert diese jüngste politische Absichtserklärung (entschieden ist ja noch nichts) leider herzlich wenig . . .
Dr. med. Jörg Jenning,
Christoph-von-Schmid-Straße 6,
86470 Thannhausen
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