ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2008Neuroradiologie: Unsere Probleme in der Demenzambulanz
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In der täglichen Konsensus-Konferenz von Nervenarzt, Neuropsychologen und Neuroradiologen sehen wir die Probleme in der Demenzambulanz anders, z. B.:
Vaskuläre Demenzen:
1. Die Mikroangiopathie ist Folge unterschiedlicher Risikofaktoren und nicht spezifische Folge einer Hypertonie. Die Risikofaktoren sind genetisch determiniert und in ihrer Manifestation abhängig von Lifestyle-Faktoren.
2. Mit Orientierung auf die Hypertonie ist zu differenzieren zwischen mittlerem Lebensalter, in dem sich das Gefäßrisiko, und höherem Lebensalter, in dem sich die Demenz manifestieren. Hier wirkt die moderate Hypertonie demenzprotektiv.
­3. Vaskuläre Risikofaktoren werden vom Kliniker bezüglich der Demenzdiagnose überschätzt. Unter Einbeziehung von Neuropsychologie und Bildgebung ändert sich die Abschluss- gegenüber der Eingangsdiagnose in bis zu 23 Prozent.
4. Die vaskuläre Komponente der Altersdemenzen ist nicht spezifisch zu therapieren. Im Gegensatz zur neurodegenerativen Komponente ist eine Sekundärprophylaxe möglich.
5. Da die Arteriosklerose nicht Bedingung für die Mikroangiopathie ist, hat sich der Begriff subkortikale vaskuläre Enzephalopathie (SVE) durchgesetzt.

Normaldruckhydrozephalus:
1. Das verstärkte Flusssignal im Aquädukt ist ubiquitär und kommt beim NDH ebenso wie beim Hydrozephalus anderer Genese und auch bei kognitiv gesunden Alten vor.
2. Strukturelle und quantitative Befunde im MRT haben sich bisher nicht als Prädiktoren für eine erfolgreiche Shunt-Therapie erwiesen. Die Beschreibung von Unterschieden in Parenchymparametern nach einer Operation ist wenig hilfreich.
­3. Prädiktiv ist bislang lediglich der erwähnte Fluid-tape-Test und ein Elastizitätsparameter, der aus einer Liquordruckkurve zu extrahieren ist.
Literatur bei dem Verfasser

Prof. Dr. Frank Hentschel,
Abteilung Neuroradiologie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät
Mannheim der Universität Heidelberg,
68159 Mannheim J5
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