ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2008Ottmar Kohler: Auch russische Patienten behandelt
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. . . Kohler war keineswegs politisch neutral: Seine Popularität unter den ehemaligen Kriegsgefangenen beruhte nicht allein auf seinem überragenden chirurgischen Können und seiner Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, sondern auch auf seiner Gegnerschaft zum kommunistischen System der Sowjetunion und seiner beharrlichen Weigerung, sich als Mitglied von Organisationen wie „Nationalkomitee Freies Deutschland“, „Bund deutscher Offiziere“ und „Antifa“ vereinnahmen und zu Spitzeldiensten gewinnen zu lassen. Er ließ sich nicht kaufen: Dazu hatte er dieses System zu gut kennengelernt. Nach seiner Rückkehr setzte er sich unermüdlich für eine Rückkehr der letzten 10 000 widerrechtlich in der Sowjetunion (SU) zurückgehaltenen Kriegsgefangenen ein und ging so weit, öffentlich die Einstellung sportlicher Begegnungen deutscher und sowjetischer Mannschaften zu fordern, und zwar so lange, bis auch der letzte Gefangene heimgekehrt war. Dafür musste er es sich gefallen lassen, als „Kalter Krieger“ gescholten zu werden. Wenig bekannt ist, dass die Kämpfe um Stalingrad nicht in Konsaliks Roman „Der Arzt von Stalingrad“, sondern in seinem weniger bekannten Werk „Das Herz der 6. Armee“ geschildert werden. Das Wirken von Konsaliks Romanheld Dr. Böhler findet in den Gefangenenlagern um Stalingrad herum statt. Die Botschaft ist überhaupt nicht grotesk: Nicht nur Dr. Kohler, sondern auch zahlreiche andere renommierte Kollegen, z. B. Prof. Hugo Rüd, arbeiteten in ihrer Kriegsgefangenschaft mit sowjetischen Ärzten u. a. in den vielen Kriegsgefangenenlazaretten kollegial und freundschaftlich zusammen und operierten sogar in sowjetischen Universitätskliniken – es gab sogar Fortbildungsveranstaltungen in Moskau und anderen Orten. Nicht zuletzt kam die in der SU hoch geachtete deutsche Medizin Tausenden von Sowjetbürgern zugute, waren doch kriegsgefangene Wehrmachtärzte immer wieder für die Zivilbevölkerung ärztlich tätig. Für sie galt der hippokratische Eid selbstverständlich auch für den „Feind“. So war Dr. Ottmar Kohler nicht nur für die Kriegsgefangenen, sondern auch für Tausende von Russen der Arzt ihres Vertrauens. Solche Darstellungen sucht man im DÄ vergebens; dem Zeitgeist entsprechend findet eine einseitige Verurteilung der Mediziner der NS-Zeit statt . . .
Dr. med. Reinhold Busch, Ruhreckstraße 13, 58099 Hagen
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