ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2008Praxisführung: Förderprogramme als Alternative zum Darlehen

WIRTSCHAFT

Praxisführung: Förderprogramme als Alternative zum Darlehen

Dtsch Arztebl 2008; 105(37): A-1918 / B-1647 / C-1611

Vetter, Michael

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LNSLNS Derzeit erfüllen Banken die Kreditwünsche von Ärzten oft nur gegen Aufpreis. Öffentliche Förderprogramme bieten zum Teil attraktivere Konditionen.

Die Bankenkrise ist längst auch bei vielen Ärztinnen und Ärzten angekommen: Allenfalls zögerliche Zusagen der Kreditinstitute nicht nur für Neukredite, sondern auch bei der Verlängerung bestehender Kreditlinien, verdeutlichen die oft schwierige Situation. Hinzu kommen meist höhere Zinsen, wenn den Kreditwünschen nachgekommen wird. In einer solchen Situation sollten sich Ärzte nach anderen Finanzierungsquellen umsehen, um ihren zum Teil überlebensnotwendigen Finanzierungsbedarf zu decken.

Öffentliche Institutionen wie die KfW-Mittelstandsbank, aber auch der Bund, die Länder und internationale Institutionen bieten zinsgünstige und für viele Zwecke zugeschnittene Gelder an. Praxisinhaber sollten deshalb gezielt bei ihrem Bankinstitut nachfragen und das bei öffentlichen Förderprogrammen obligatorische „Hausbankprinzip“, das die Einschaltung eines Bankinstituts vor der eigentlichen Antragstellung vorsieht, in Anspruch nehmen. So wird vor Ort die Kredit- oder Bonitätsprüfung durchgeführt, die sowohl die Prüfung als auch die Weiterleitung des Antrags vorsieht. Die Hausbank kann den Arzt auf diesem Weg nicht nur begleiten, sondern auch Alternativen nennen und Finanzierungstipps geben.

Zu den wichtigen Auskünften der Bank gehören die Informationen zum „risikogerechten Zinssystem“, das von Förderbanken sowie von Geschäftsbanken vor Ort angewendet wird. Dabei zahlen Praxisinhaber abhängig von ihrer Bonität und den bereitgestellten Sicherheiten einen individuellen Zinssatz, der von der Hausbank festgelegt wird. Es erfolgt zunächst eine Zuordnung zu vorgegebenen Bonitäts- und Sicherheitsklassen. Aus der Kombination von Bonitäts- und Besicherungsklasse ergibt sich dann eine Preisklasse, die die Bandbreite des individuellen Zinssatzes für das Förderdarlehen bestimmt. Diese risikoabhängige Differenzierung der Kreditzinsen soll es einer größeren Zahl von Praxen ermöglichen, Förderdarlehen zu erhalten.

Neben direkten Finanzmitteln können auch Bürgschaften helfen, Finanzierungen abzurunden beziehungsweise erst zu ermöglichen. Hierzu stehen vor allem Bürgschaftsbanken und Kreditgarantiegemeinschaften zur Verfügung. Darüber hinaus sind auch Bundes- und Landesbürgschaften möglich. Vor allem bei nicht ausreichenden Kreditsicherheiten des Arztes bieten Bürgschaften oft die notwendige Voraussetzung für eine Kreditgewährung.

Folgende Förderprogramme sind für Ärzte besonders interessant:
- KfW-Startgeld. Für Praxen mit Vorhaben von nicht mehr als 50 000 Euro konzipiert, können mithilfe dieses Programms Grundstücke und Gebäude ebenso finanziert werden wie Praxis- und Geschäftsausstattungen. Bei Laufzeiten von bis zu zehn Jahren wendet sich das Startgeld vor allem an Existenzgründer sowie an kleine Praxen.
- Unternehmerkapital. Hierbei handelt es sich um eine Produktfamilie aus drei Kreditprogrammen:
Das „ERP-Kapital für Gründung“ richtet sich an Personen, die eine selbstständige, gewerbliche oder freiberufliche und nachhaltig tragfähige Existenz als Haupterwerb aufnehmen oder dies während der vergangenen zwei Jahre getan haben. Auch hier sind die üblichen betrieblichen Finanzierungen etwa von Immobilien und Sachanlagen möglich. Der Finanzierungshöchstbetrag liegt bei 500 000 Euro je Antragsteller, die Kreditlaufzeit beträgt 15 Jahre.
Das „ERP-Kapital für Wachstum“ kann von Praxen beantragt werden, deren Geschäftsaufnahme mehr als zwei, aber höchstens fünf Jahre zurückliegt. Der Finanzierungshöchstbetrag liegt wiederum bei 500 000 Euro je Vorhaben, bei einer Kreditlaufzeit von 15 Jahren.
Das „KfW-Kapital für Arbeit und Investitionen“ ist interessant für Praxen, die mehr als fünf Jahre existieren. Es können Investitionen finanziert werden, bei denen eine langfristige Mittelbereitstellung erforderlich ist, die einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg erwarten lassen und mit denen Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert werden. Der maximale Kreditbetrag beträgt bei Laufzeiten von zehn Jahren vier Millionen Euro je Vorhaben.
- KfW-Unternehmerkredit.
Schwerpunkt dieses Kreditprogramms sind ebenfalls betriebliche Investitionen. Maximal zehn Millionen Euro können je Vorhaben zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sind Laufzeiten von bis zu 20 Jahren möglich.
- ERP-Regionalförderprogramm. Dieses Programm bietet bei Laufzeiten von bis zu 15 Jahren maximale Kreditbeträge von bis zu drei Millionen Euro je Vorhaben.
- ERP-Innovationsprogramm. Innovative Praxen können dieses Programm beantragen, für das Förderungen sowohl in der Forschungs- und Entwicklungsphase als auch in der Markteinführungsphase abrufbar sind. Je nach Programm sind Finanzierungen von bis zu fünf Millionen Euro je Vorhaben bei Laufzeiten von bis zu zehn Jahren möglich.
Weitere Informationen zu den Programmen auf folgenden Internetseiten: www.kfw-mittelstandsbank.de, www.foerderdatenbank.de, www.sub ventionen.de, www.existenzgruender. de, www.vdb-info.de.
Michael Vetter
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