ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2008Von schräg unten: Brief an die Dunkelziffer

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Brief an die Dunkelziffer

Böhmeke, Thomas

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Sehr geehrte Dunkelziffer, mit klebriger Penetranz werden Sie als Kronzeuge gegen uns Ärzte zitiert, um Abrechnungsbetrug bei Privatpatienten anzuprangern. Unter Ihrer Ägide lassen Journalisten in Massenblättern namenlose Mediziner aufmarschieren, die mangelhaft untersuchen, astronomisch abrechnen und ungeniert abkassieren sollen. Auf Sie berufend, dreschen selbst ernannte Gesundheitsexperten auf uns ein, die zwar nie eine einzige Sprechstunde abgehalten haben, dafür aber einen wahren Flächenbrand des Misstrauens entzünden. Es mag ja angehen, dass wir nicht mehr Halbgötter in Weiß sind, aber als Dunkelziffer der Abrechnung haben wir fehlende Vorsorge und abgebrochene Behandlungen bei Privatpatienten zu beklagen. Können Sie, wenig verehrte Dunkelziffer, nach Studium entsprechender Artikel sich noch einer notwendigen ärztlichen Behandlung unterziehen, oder würden Sie doch lieber Ihre Lungenentzündung mit Salbei selbst therapieren oder Ihren Tumor mit Bruchbändern traktieren, weil von Misstrauen zerfressen? Für mich sind Sie eine mentale Schenkelhalsfraktur, die nur schwere Komplikationen nach sich zieht – weg mit Ihnen!

Sehr geehrter Herr Dr. Böhmeke, tun Sie nicht so, als hätten Sie einen unbefleckten weißen Kittel, als hätten Sie nie eine fehlerhafte Privatabrechnung erstellt.

Sehr geehrte Dunkelziffer, da haben Sie recht. Ich hatte in der Tat kürzlich eine fehlerhafte Rechnung erstellt, und zwar bei einem Patienten, bei dem ich eine Ultraschalluntersuchung nicht abgerechnet hatte. Der Patient wollte die Honorarnote erst begleichen, nachdem ich sie nach oben korrigiert hatte.

Dr. med. Thomas Böhmeke ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.
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