ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2008Zervix: Erhöhtes Krebsrisiko nach Entfernung von intraepithelialer Neoplasie

MEDIZIN: Referiert

Zervix: Erhöhtes Krebsrisiko nach Entfernung von intraepithelialer Neoplasie

Dtsch Arztebl 2008; 105(38): 653

Mertens, Stephan

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LNSLNS Auch nach erfolgreicher Entfernung einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie besteht ein erhöhtes Krebsrisiko (1). Dies ist das Ergebnis einer prospektiven Kohortenstudie des schwedischen Krebsregisters. Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 132 493 Frauen, die zwischen 1958 und 2002 aufgrund einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie Grad 3 (CIN 3) behandelt wurden. Frühestens 1 Jahr nach diesem Eingriff erkrankten 881 Frauen an einem invasiven Zervixkarzinom. Die therapierten Teilnehmerinnen hatten nach Adjustierung für Alter im Vergleich zu Frauen ohne CIN-3-Befund ein 2,34-fach (95-%-Konfidenzintervall: 2,18 bis 2,5) erhöhtes Zervixkarzinomrisiko. Das Krebsrisiko war auch noch 25 Jahre nach der CIN-3-Behandlung erhöht. Besonders Frauen über 50 Jahre hatten ein erhöhtes Risiko. Das Krebsrisiko war fast doppelt so hoch, wenn die CIN-3-Behandlung zwischen 1991 bis 2000 erfolgte, im Vergleich zum Zeitraum 1958 bis 1970. Die standardisierte Rate für Vaginalkrebs lag bei 6,82 (95-%-KI: 5,61 bis 8,21) und sank innerhalb von 25 Jahren auf 2,65.

Das sich im Lauf der Jahre verändernde Risiko führen die Autoren unter anderem auf wechselnde Therapieregime zurück. In den 1960er-Jahren entfernten die Ärzte in Schweden nach CIN 3 häufig die Gebärmutter. In den folgenden Jahren wandte man weniger invasive Methoden an, und seit etwa 1990 ist die Loop-Exzision verbreitet. Die schwedischen Epidemiologen vermuten, dass bei den neueren Operationstechniken eine Dysplasie übersehen werden könnte, was das höhere Risiko erklären würde. Angesichts des lange bestehenden Krebsrisikos sollten nach Auffassung der Autoren Patientinnen mindestens 25 Jahre lang histologische Kontrolluntersuchungen angeboten werden, und zwar unabhängig davon, wie alt die Patientin bei der CIN-3-Behandlung war.

Anhand des gleichen Krebsregisters fand eine andere Forschergruppe heraus, dass bei einem CIN-3-Befund das Risiko auch für Vulva- und Analkarzinom erhöht ist (2). Dieser Untersuchung liegen die Daten von über 125 000 CIN-3-Patientinnen mit einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 27 Jahren zugrunde. Die für Rauchen und sozioökonomischen Status adjustierte Inzidenzrate betrug für Vaginalkrebs 6,74 (95-%-KI: 5,24 bis 8,56), für Krebs der Vulva 2,2 (95-%-KI: 1,79 bis 2,73) und für Analkarzinom 4,68 (95-%-KI: 3,87 bis 5,62). me

Strander B, Andersson-Ellström A, Milsom I, Sparén P: Long term risk of invasive cancer after treatment for cervical intraepithial neoplasia grade 3: population based cohort study.
BMJ 2007; 335: 1077–80. E-Mail: bjorn.strander@oc.gu.se
Edgren G, Sparén P: Risk of anogenital cancer after diagnosis of cervical intraepithelial neoplasia: a prospective population based study. Lancet Oncol 2007; 8: 311–6.
E-Mail: gustaf.edgren@ki.se

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