ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2008Patientenorientierung: Portal als Fenster zur Patientenwelt

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Patientenorientierung: Portal als Fenster zur Patientenwelt

Dtsch Arztebl 2008; 105(38): A-1954 / B-1681 / C-1644

Merten, Martina

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Kein neues, aber ein ausgebautes Angebot: Unter www.patienteninformation. de erhalten Ratsuchende zum Beispiel Informationen zu einer „guten Arztpraxis“.
Kein neues, aber ein ausgebautes Angebot: Unter www.patienteninformation. de erhalten Ratsuchende zum Beispiel Informationen zu einer „guten Arztpraxis“.
Versicherte gelangen ab sofort mit einem Klick an viele für sie relevante Informationen. Ein gemeinsamer Internetauftritt der ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften macht dies möglich.

Bislang verhielt es sich folgendermaßen: Suchte ein Patient, beispielsweise aus Bremen, Informationen über individuelle Gesundheitsleistungen oder zum Mammografie-Screening, kam ihm mit etwas Glück das Internetangebot der dortigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in den Kopf. Vielleicht suchte er auch auf den Seiten der Bremer Ärztekammer nach Wissenswertem. Vermutlich blieben ihm aber interessante Informationen anderer KVen oder Kenner verborgen. Mit dieser selektiven Sucherei ist nun Schluss: Über www.patienteninformation.de gelangen Ratsuchende ab sofort mit einem Klick an alle Informationen, die die 17 KVen und Ärztekammern zum gesuchten Thema zu bieten haben. Und das sind nicht wenige.

„Wir haben 2 000 Informationen für Patienten verlinkt und beschrieben“, berichtet Dr. Sylvia Sänger vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Darunter befinden sich Informationen zu medizinischen Fragestellungen, zu Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen, zu den Themen Patientenverfügung, Patientenquittung und Patientenbeschwerden sowie Angaben zur Organspende. Das ÄZQ bietet zwar schon seit 1999 qualitätsgeprüfte Informationen nicht kommerzieller Institutionen und Organisationen an. Auch verzeichnete bereits das „alte“ Patientenportal der ÄZQ verglichen mit dessen weiteren Angeboten die höchsten Zugriffszahlen. Patienten gelangten bislang jedoch nicht automatisch auf die Seiten der ärztlichen Selbstverwaltung. Ein unabhängiges Medium, das den Patient durch den „Dschungel des Gesundheitswesens“ führt, habe gefehlt, sagt Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Dabei seien Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit von Informationen für suchende Patienten besonders wichtig, ergänzt Dr. med. Günther Jonitz, Vorstandsmitglied der Bundes­ärzte­kammer und Präsident der Berliner Ärztekammer. Der Entschluss der Selbstverwaltungspartner, Vorhandenes zu bündeln und auszubauen, fiel vor wenigen Monaten.

Ein Smiley steht für Qualität
Unter den verlinkten Angeboten findet man neben den Seiten der ärztlichen Selbstverwaltung auch die des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Medizin, Seiten wissenschaftlicher Fachgesellschaften, die des Robert-Koch-Instituts und der Tumorzentren. „Augenscheinlich kommerzielle Anbieter von Patienteninformationen haben wir außen vor gelassen“, unterstreicht Sänger.

Patienten erfahren außerdem, ob die zur Verfügung gestellte Information etwas taugt. Befindet sich beispielsweise hinter einer Abhandlung zum Mammografie-Screening ein lachendes Gesicht, stimmt die methodische Qualität. Ein mürrisches Gesicht weist dagegen auf mangelnde Qualität hin. Ob eine Information gut ist, hängt unter anderem davon ab, aus welchem Jahr sie stammt, ob die Quelle angegeben ist und ob sie dem Patienten nutzt. Sollten Patienten doch einmal auf schlechte Qualität stoßen, rät Jonitz dazu, dies sofort zu melden. „Wir brauchen Öffentlichkeit, um das Portal stetig weiterzuentwickeln und zu verbessern.“

Müller sieht in der „gebündelten Patientenorientierung“ nicht nur eine Chance für Patienten – auch Ärzte profitierten davon, glaubt der KBV-Vorstand. Beispiel Leitlinien: Über www.patienten-information.de erhalten Versicherte Zugang zu „Patientenleitlinien“ – Leitlinien, die Ärzte zusammen mit Patientenorganisationen erstellt haben. Die daraus entnommenen Informationen können Patienten künftig mit ihrem Arzt abgleichen und sich über den Verlauf der Behandlung austauschen. Sinnvoll für das anschließende Gespräch mit dem Arzt ist außerdem, dass die Informationen auf dem Portal patientenfreundlich formuliert sind.

Die neue Internetseite, darauf legen alle Beteiligten Wert, ist mit dem Start nicht abgeschlossen. „Es soll eine lebende Seite sein, die Patienten und Ärzte weiterempfehlen“, so Sänger. In naher Zukunft steht erst einmal an, alle verlinkten Angebote barrierefrei zu gestalten.
Martina Merten
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