ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2008150 Jahre Bad Neuenahr: Ein königliches Spa feiert Geburtstag

KULTUR

150 Jahre Bad Neuenahr: Ein königliches Spa feiert Geburtstag

Dtsch Arztebl 2008; 105(38): A-1980 / B-1702

Buhr, Uta

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Foto: Kurverwaltung Bad Neuenahr
Foto: Kurverwaltung Bad Neuenahr
Von Kaiserin Augusta getauft, von Erich Ollenhauer und Romy Schneider mit Besuch beehrt, die Bad Neuenahrer Therme bietet höchste Entspannung in geschichtsträchtiger Atmosphäre.

Seit einigen Tagen genießt Nina S. die „Sinfonie der Sinne“ in vollen Zügen. Hinter diesem musikalischen Titel verbirgt sich ein Neuenahrer Wohlfühlprogramm, das für die Lateinlehrerin aus Berlin ein Labsal für Körper und Seele ist. „Anwendungen mit Thermalwasser, Massagen und raffinierte kosmetische Behandlungen – einfach himmlisch“, schwärmt sie. Nur einen Steinwurf entfernt vom Rotweinwanderweg hoch über der Ahr – dem nördlichsten Rotweinanbaugebiet der Welt – zählt Bad Neuenahr zu den meistbesuchten Heilbädern Deutschlands.

Die Entstehung des Bades liest sich wie ein Märchen, in welchem eine gütige Fee ihre Hand im Spiel hatte. Denn nur zufällig stieß man bei Grabungen zwischen den Orten Heppenheim und Wadenheim auf eine Quelle mit warmem, säuerlichem Mineralwasser. Kurz darauf, im Jahr 1852, war das „Apollinaris“-Tafelwasser geboren, und das Tal der Ahr wurde berühmt.

Das war jedoch noch nicht alles: Wenig später entdeckten ein Ahrweiler Weinhändler und ein Gelehrter aus Bonn in einigen Kellern des Dorfes Beul – dem heutigen Neuenahr – Gase. Ein stark kohlesäurehaltiges, „blutwarmes“ alkalisches, an Kochsalz armes Wasser sprudelte aus dem Boden. Lediglich das weltberühmte Vichy-Wasser wies ähnliche Werte auf. Unter Führung des findigen Geschäftsmanns Georg Kreuzberg wurde ein Heilbad geplant nach dem Vorbild bekannter Orte wie Baden-Baden, Wildungen und Lippspringe.

Am 28. Juli 1858 war es so weit. Die Einweihung wurde pompös gefeiert. Keine Geringere als Prinzessin Augusta von Preußen, die spätere erste deutsche Kaiserin, fungierte als Taufpatin der Quelle. Die Chronik berichtet, dass „schon am Morgen des damaligen Mittwochs sich eine große Menschenmenge von auswärts auf den Weg nach dem Dorfe Beul am Fuß des Berges Neuenahr begab, wo in fieberhafter Arbeit während der letzten acht Tage eine ‚möglichst geordnete‘ Feststätte entstanden war und künstliche Gärten und Fahnenschmuck einen noch unfertigen Zustand verdeckten“. Dennoch, Prinzessin Augusta sah gnädig über alle Unzulänglichkeiten hinweg und erfüllte ihren Part mit königlicher Würde: „Nachdem die Quelle eingesegnet war, goss Augusta eine daraus gefüllte Schale langsam in die Quelle und verlieh ihr den Namen Augustenquelle.“ Für das Bad brach nach dem königlichen Besuch das Goldene Zeitalter an. Der deutsche Erb- und Geldadel strömte herbei, um in den heilenden Wassern Neuenahrs zu kuren und den „Großen Sprudel“ zu bewundern, dessen kraftvoller Strahl auch heute noch in ein großes rundes Becken zischt.

Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts brachten den Kurbetrieb zeitweilig zum Erliegen. Besonders der Zweite Weltkrieg hatte massive Auswirkungen, denn „Neuenahr blieb von den Kampfhandlungen nicht verschont“, erzählt Kurdirektor Rainer Mertel. Hotels und Kuranlagen wurden in Lazarette und Krankenhäuser umfunktioniert. Die Wende kam 1948 im Gefolge der Währungsreform. Als am 18. Dezember desselben Jahres die Spielbank ihre Pforten in den Räumen des Kurhauses öffnete, stieg Bad Neuenahr auf wie Phönix aus der Asche und avancierte schlagartig zum „Partytreff“ der Bonner Republik. Legendär waren die Pressebälle, auf denen sich die Prominenz aus Politik und Film ein Stelldichein gab. Hildegard Knef plauderte mit Erich Ollenhauer, Romy Schneider kam im Schlepptau von Mutter Magda, und Willy Fritsch tanzte mit Lilian Harvey Walzer wie „einst im Mai“.

Bad Neuenahr hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte von Grund auf erneuert, ohne jedoch den Charme der Gründerzeit zu verlieren. Das von ionischen Säulen flankierte Thermalbadehaus weckt nostalgische Gefühle. Die Maxime, Traditionen zu wahren und gleichzeitig neue Wege zu beschreiten, hat dem Heilbad letztlich den Titel eines „Royal Spa of Europe“ eingebracht.
Uta Buhr
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