ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2008Diagnose: Kamerasteuerung mit Magneten

TECHNIK

Diagnose: Kamerasteuerung mit Magneten

Dtsch Arztebl 2008; 105(38): A-1984 / C-1664

EB

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Die schluckbare Kamera (hier in ihrer Halterung) lässt sich in der Speiseröhre gezielt stoppen und bewegen. So können Ärzte den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen genau untersuchen.
Die schluckbare Kamera (hier in ihrer Halterung) lässt sich in der Speiseröhre gezielt stoppen und bewegen. So können Ärzte den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen genau untersuchen.
Mit einer Minikamera in der Größe eines Bonbons, die der Patient schluckt, lassen sich Aufnahmen aus dem Körperinneren gewinnen. Sie wandert durch den Darm und funkt Bilder der Darmzotten nach außen. Ein Empfangsgerät, das der Patient am Gürtel trägt, speichert die Daten, sodass der Arzt sie später auswerten kann. Zur Untersuchung von Speiseröhre und Magen eignet sich die Kamera jedoch nicht, weil sie diese Strecke zu schnell passiert, um verwertbare Bilder zu liefern: Für den Weg durch die Speiseröhre benötigt die Kamera nur etwa drei bis vier Sekunden – pro Sekunde macht sie zwei bis vier Bilder –, und im Magen fällt sie durch ihr Gewicht von etwa fünf Gramm recht schnell auf die untere Magenwand. Für Untersuchungen der Speiseröhre und des Magens müssen die Patienten daher nach wie vor ein Endoskop schlucken.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für biomedizinische Technik (IBMT) in St. Ingbert haben mit der Herstellerfirma Given Imaging, dem Israelitischen Krankenhaus in Hamburg und dem Royal Imperial College in London ein Steuerungssystem für die Kamerapille entwickelt, mit dem sich die Kamera in der Speiseröhre gezielt bewegen und der Kamerablickwinkel einstellen lassen. Der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen sowie die Magenwände können so genau untersucht werden. Die Forscher haben dazu eine Magnetvorrichtung in der Größe einer Tafel Schokolade entwickelt, die der Arzt während der Untersuchung in der Hand halten und am Körper des Patienten auf- und abbewegen kann. Die Kamera folgt innen präzise dieser Bewegung. Die steuerbare „Kamerapille“ ist ähnlich aufgebaut wie ihr Vorgängermodell: Sie besteht aus einer Kamera, einem Sender, der die Bilder an das Empfangsgerät schickt, einer Batterie und mehreren Kaltlichtdioden, die wie ein Blitzlicht bei jeder Aufnahme kurz aufblinken. Im Eigenversuch konnten die Forscher zeigen, dass sich die Kamera für etwa zehn Minuten in der Speiseröhre halten lässt, selbst wenn der Patient aufrecht sitzt. EB
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