ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2008Börsebius: Richtig vererben will gelernt sein

GELDANLAGE

Börsebius: Richtig vererben will gelernt sein

Dtsch Arztebl 2008; 105(38): A-1986 / B-1706 / C-1666

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die ab dem kommenden Jahr drohende Abgeltungsteuer findet allgemeine Beachtung, sie wird zumindest mit dem heranrückenden Winter als Bedrohung wahrgenommen. Dabei kommt mit der Erbschaftsteuerreform auf viele Bürger ein genauso wichtiger Meilenstein zu, deren Missachtung mindestens ebenso fatale Folgen haben kann.

Was ändert sich und warum? Wie so oft hat das Bundesverfassungsgericht handwerkliche Unzulänglichkeiten des Gesetzgebers moniert und ihm Änderungen auferlegt. Konkret geht es darum, dass es im Erbschaftsfall ab dem 1. Januar 2009 keine Unterschiede in der Besteuerung von Immobilien und Geldvermögen mehr geben darf.

Das heißt, die relative Bevorzugung von vererbten Immobilien fällt weg. War bisher etwa die Hälfte des Verkehrswerts in der Steuererklärung anzusetzen, ist danach das Doppelte, also 100 Prozent anzusetzen.

Dieses Damoklesschwert verleitet viele potenzielle Erblasser dazu, noch in diesem Jahr seine Nachkommen oder wen auch immer zu bedenken. Gedacht, getan und voll in die Falle gegangen. Zum einen ist die Hast in vielen Fällen aufgrund verbesserter Freibeträge völlig unangebracht, und zum anderen gibt es viel mehr böswillige Erben, als es sich die blutsverwandtschaftliche Seele vorstellen kann. Sitzt der via Schenkung Bedachte erst mal in der neuen Hütte, platzen viele Versprechungen und vollmundige Bekundungen wie Seifenblasen.

Ohnehin sind, wenn überhaupt, nur bei größeren Immobilienvermögen Übertragungen noch in diesem Jahr sinnvoll. Aber auch hier gilt es, Sicherheitsleinen einzuziehen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Zwingend sollte sich der Schenker ein Nießbrauchsrecht einräumen lassen mit der Folge, dass der Beschenkte zwar neuer Eigentümer wird, aber der Schenker nicht nur dort wohnen bleiben darf, sondern die Immobilie auch vermieten oder verpachten kann. Besonders wichtig ist es für den alten Inhaber, sich für den Fall einer drohenden finanziellen Pleite des Nachkommen ein Rückforderungsrecht einräumen zu lassen.

Kurios genug, dass bis zum heutigen Tag noch kein rechtsgültiges Gesetz hierzu in Kraft getreten ist, zu mehr als einem Entwurf hat es die Politik nicht gebracht. Es ist aber nicht anzunehmen, dass der Gesetzgeber weiter vor sich hin schlummert, denn geschähe dies, würden sowohl die Erbschaft- als auch die Schenkungsteuer ersatzlos wegfallen. Demnach wird die Erbschaftsteuerreform wohl noch pünktlich im Bundesgesetzblatt stehen.

Das richtige Vererben will also gelernt sein. Fehler schlagen nicht nur auf den Geldbeutel, sondern können Familienbande nachhaltig trennen. Mit Weitblick, Augenmaß und vor allem dem richtigen Timing muss das alles nicht sein.
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