ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2008Posterausstellungen auf nationalen Fachkongressen – Bereicherung oder Farce? Schlusswort
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LNSLNS Wir teilen die Auffassung von Frau Dr. Hahnengress, dass das Potenzial der bildhaften Darstellung eines Posters vielfach nicht adäquat genutzt wird. Wir begrüßen auch die Anregung, dass die Darstellung der Posterbeiträge verbessert werden sollte und als Teil der Bewertungskriterien eines Posterbeitrages anzusehen ist. In der Tat wurden auf dem diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden mehrfach Tutorien in der Abfassung von Postern und Vorträgen unter Anwendung moderner Methoden und Präsentationsformen angeboten. Hier besteht unter den Medizinern sicherlich Verbesserungsbedarf.

Wir teilen nicht die Auffassung, dass eine Artikelpublikation und ein Poster als gleichwertige Präsentationsform wissenschaftlicher Daten anzusehen sind, unterliegt doch eine Artikelpublikation einem wesentlich intensiveren Prüfprozess, als dies bei einem Posterabstract in der Regel üblich und möglich ist.

Die Autoren danken Herrn Dr. Haß für die kritische Durchsicht unserer Daten. Es wurde jedoch in der Tat nicht jeder 5. Kongressteilnehmer befragt – vielmehr steht im Methodenteil, dass jeder 5. Passant im Rahmen unserer Befragung durch zufälliges Herausgreifen angesprochen und befragt wurde. Eine Randomisierung erfolgt im Rahmen von Studien, bei denen die Probanden zum Beispiel unterschiedlichen Behandlungen zugeführt werden. Da bei uns alle Befragten dieselben Fragen gestellt bekamen, brauchte nach dem zufälligen Herausgreifen auch keine Randomisierung mehr zu erfolgen.

Korrekt ist, dass nur ein einzelner nationaler Fachkongress ausgewählt wurde – dennoch war der Aufwand nicht unerheblich und wir glauben, dass die von uns gewonnenen Daten durchaus auf andere Fachgesellschaften übertragbar sind. Aus diesem Grund haben die Autoren sich dazu entschlossen, die Daten nicht im Fachjournal der entsprechenden Fachgesellschaft, sondern im Deutschen Ärzteblatt zur Publikation einzureichen. Offenkundig haben auch die Gutachter und die Herausgeber des Deutschen Ärzteblatts unsere Einschätzung der Allgemeingültigkeit unserer Daten für die Gesamt-Ärzteschaft geteilt.

Bezüglich der Posterdiskussionsteilnehmer tut es uns Leid, dass die von uns gewählte Art der Darstellung nicht eindeutig verständlich war: Es wurden insgesamt 388 Poster ausgestellt. Es gab insgesamt 38 unterschiedliche Posterbegehungen, die allesamt in die Teilnehmererfassung eingingen. An diesen 38 Begehungen haben 467 Personen teilgenommen. Von den befragten Kongressbesuchern gaben 39,4 % an, die Posterausstellung besucht zu haben. Es ist gelungen, mit immerhin 122 zufällig ausgewählten Posterautoren ein Interview zu führen und Daten zu gewinnen. In der Tat haben wir nicht von allen Posterautoren zu allen Fragen Antworten erhalten können, da wir mit den Interviews schon vor Beginn der Posterausstellungen einen Teil der Fragen besprochen haben. Auch war es rein zeitlich nicht möglich, noch mehr Posterautoren im Rahmen der limitierten Posterausstellungszeiten zu interviewen.

Wir teilen die Auffassung des Lesers, dass die Teilnahmerate an den Begehungen niedrig und die Bewertung der wissenschaftlichen Wertigkeit nicht hoch ist – auch wundert man sich, dass ein erheblicher Teil der Poster „recycelt“ sind. So gesehen teilen wir die Einschätzung des Lesers, dass manches einer „Farce“ entspricht. Dennoch meinen wir, dass unserer Daten durchaus zeigen, dass nicht alles eine solche ist: Junge Wissenschaftler und die sogenannten „Begeher“ der Posterausstellung profitieren persönlich durchaus von der Posterausstellung und sehen diese eher als Bereicherung an.
DOI: 10.3238/arztebl.2008.0671

PD Dr. med. Johannes Grossmann
Medizinische Klinik,
Evangelisches Krankenhaus Bethesda
Ludwig-Weber-Straße 15
41061 Mönchengladbach
E-Mail: grossmann@bethesda-mg.de oder
johagross@aol.com

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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